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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 2)

Das tonschöne Porträt von M. Rappaport (Berlin), der farbig vibrierende Akt von

Kokoschka, die Zeichnungen von Feistauer, mehrere Landschaften der Franzosen

Marchand, Matisse etc., temperamentvolle figurale Kompositionen von M. Melzer, Picasso

(Paris), lassen erkennen, wie mannigfaltige Wege sich neu eröffnen. Der große Reiz, der

in der Betonung des starken persönlichen Empiindens liegt, das nach Ausdruck ringt,

versöhnt mit vielen Unzulänglichkeiten, die im Beschreiten ungangbarer Wege - in weiter

Abirrung von der Natur entstehen.

Der bewußte Gegensatz zur landläufigen und bis zum Überdruß verbreiteten Naturkopie

 verleitet manchen I-litzkopf zur gesuchten Originalität oder zu absichtlicher Flüchtigkeit.

 Das sind leicht zu erkennende Schwächen, die uns nicht daran verhindern dürfen,

das energische Wollen und das kräftige Streben anzuerkennen, das hier in so verschiedenen

Nationen und Ländern gleichzeitig und in Verbindung mit verwandten Zielen auRritt.

Schon dieser Umstand des internationalen Drängens und Ringens nach dem Ausdruck

 jener Empfindungswelt, die unsere Zeit in einen gewissen Gegensatz zur historischen

Vergangenheit bringt, ohne dabei die Respektierung und Wertschätzung ihrer Großen zu

beeinu-ächtigen, erweckt eingehendes und lebhaftes Interesse.

AQUARELLISTENKLUB DER GENOSSENSCHAFT BILDENDER

KÜNSTLER VVIENS. Die vorherrschende Empfindung beim Durchschreiten

der Räume des ersten Stockwerkes des Künstlerhauses ist diejenige, daß man hier keine

Aufregungen zu gewärtigen hat. Die wohltemperierte, in bekannten Geleisen traditionsmäßig

 wandelnde Schar vereinigt sich wie alljährlich, so auch heuer zu einer Schaustellung

 ihrer jüngsten Arbeiten, denen durchwegs der Grundzug leichter Verständlichkeit

und Zugänglichkeit eigen ist. Sorgfältige und gefällige Zeichnungen, Skizzen und Schwarz-Weiß-Kunstblätter,

 wie jene von A. Schmidt, K. Fahringer, 0. Stössel, reihen sich aneinander.

 Eine farbige Porträtradierung Stössels ragt diesmal in Form und Geschmack über

das gewöhnliche Maß hinaus. Kostümstudien von O. Ruiicka, noch mehr die flotten

Bauern von L. Delitz zeigen enge Fühlungnahme mit dem Leben.

Wenn eine Persönlichkeit von mehr pointierter Eigenart wie Bertold Löffler mit

einigen Zeichnungen auftritt, fällt sie angenehm auf. F. Desclabissac bringt stilisierte

Interieurszenen, die dekorativen Sinn und zeichnerische Routine zeigen und in ihrem

ungehinderten Betonen starker Farbe hier heraustreten, während sie anderwärts vielleicht

recht gemäßigt erscheinen. Eine große Landschaft von Tomec (Wienerwald) und einige

holländische Bilder von Gust. Böhm, F. Hein machen sich hier durch eine gesteigerte Kraft

bemerkbar, weil doch überall die konventionelle Tonart so streng eingehalten ist. Sicherlich

wird damit dem Bedürfnis weiter Kreise entsprochen, denen die Wiederholung bekannter

Erscheinungen, denen die Verwendung bewährter Kunstmittel, gemäßigter Ansprüche an

ihr Urteil wertvoll ist, weil sie sich nicht auf eine Probe gestellt zu sehen wünschen.

Leider wirkt aber diese Unsicherheit weiter Kreise in Angelegenheit des künstlerischen

Urteils immer auf die Künstler zurück. Sie wollen und müssen leben, müssen auf

Verständlichkeit rechnen, wenn sie ihren Kreis erhalten wollen. Das stellt diejenigen,

welche eigene und neue Wege gehen wollen, in schroffen Gegensatz zu den Lieblingen

des Publikums.

Man kann sich kaum einen schärferen Kontrast denken als die Gegenüberstellung der

„Neuen Kunst", wie sie derzeit bei Miethke zu sehen ist, gegen die ausgeglichene, so

gefällige und gefallsame Art und Weise in den Räumen des Künstlerhauses. Diese ist

gerade das, was jene meiden und bekämpfen. Wer sich im Besitze seines mühelos

erworbenen Urteils nicht stören lassen will, wird sich beim Aquarellistenklub wohl befinden.

Wer tiefer blickt in das Drängen und Kämpfen unserer Zeit, in das Erwachen neuer,

großer Ziele und Errungenschaften, die den Stolz der Gegenwart bilden, der wird sich

auch kräftigerer Impulse erfreuen. Der wird es freudig begrüßen, von einer jüngeren

lebensvollen Generation vor neue Probleme gestellt zu werden.
            
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