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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 2)

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Anschließend an diese kunstgewerbliche Gruppe findet in denselben Räumen eine

Ausstellung ungarischer Volkskunst statt. Es sind dieselben farbenfreudigen magyarischen

Stickereien, vermengt mit feinen alten und modernen Spitzen, welche sich früher in der

nunmehr aufgelösten Ausstellung „L'Art Paysan en tous Pays" in der ehemaligen Galerie

Royale befanden. Th, de Kulmef

AKOB BURCKHARDTS BRIEFE AN EINEN ARCHITEKTEN. Unter

diesem Titel sind aus dem Nachlaß des im Jahre x89: in seiner Vaterstadt Basel

verstorbenen Architekten Max Alioth 95 an ihn gerichtete Briefe Jakob Burckhardts aus

den Jahren 1870 bis 1889 erschienenß die wichtige Beiträge zur Biographie und Charakteristik

 des berühmten Kunsthistorikers enthalten. Besonders wertvoll sind sie dadurch, daß

sie uns Burckhardt auf seinen letzten großen und kleinen Studienreisen zeigen. Xn erster

Linie handelte es sich ihm dabei um Wiederbelebung alter Eindrücke, aber auch um Sammlung

 neuen Materials für seine Vorlesungen; erst nachdem der Fünfundsiebzigjährige diese

aufgeben mußte, hat er in den Aufsätzen zur italienischen Kunstgeschichte, die 1898 aus

seinem Nachlaß veröffentlicht wurden, manches davon verarbeitet. Am wichtigsten erschien

ihm selbst der Londoner Aufenthalt im Hochsommer 187g. „Es war die höchste Zeit, daß

ich London wieder sah," schreibt er bald nach seiner Ankunft, „das Dozieren von Kunstgeschichte

 hat ein Loch, wenn man diesen erstaunlichen Irrgarten von kombinierten Sammlungen

 nicht kennt." Am meisten macht ihm das South-Kensington Museum zu schaffen.

Der erste Eindruck verwirrte ihn durch die ungeheure Fülle. „Wo soll das hinaus mit unserer

Kunstgeschichte, wenn auf dieseManiergesammelt wird undniemanddie eigentliche Gesamtübersicht

 mehr macht?" Was ihn besonders konfus macht, ist, „daß diese Sammlungen außer

den Dekorationen und als Schmuck angewandten Künsten so fürchterlich viele und

wichtige künstlerische Originalsachen des hohen und höchsten Ranges enthalten." -

„Hätte ich ein Jahr hier zu vertun," meint er, „ich würde in die Hände spucken und mich

mit anderer guter Leute Hilfe bemühen, die lebendigen Gesetze der Formen in möglichst

klare Formeln zu bringen; soweit mit Worten etwas erreicht werden kann, würde ich es

probieren." Die dekorativen Hauptfragen habe ja Semper in seinem „Stil" erledigt, aber es

sei seitdem so unendlich viel dazugekommen „und die Parallelen wachsen und wachsen".

Indes er bescheidet sich zuletzt; er kann den Rest seines Lebenslaufes - er war damals

einundsechzig y auch nicht „um dieser Herrlichkeiten willen" ändern. Neben dem Kensington

 Museum, der National Gallery und dem British Museum, die er schon von früher

her kennt, kann er nun durch die Vermittlung eines reichen Landsmannes auch eine Reihe

von Privatgalerien besuchen: die berühmte Bridgewater Gallery w „wo mindestens zwei

echte Rafaels, mehrere Tiziane ersten Ranges und so weiter uns entgegenleuchteten," die

Sammlung des Herzogs von Wellington, „wo sonst der Eintritt ungeheuer schwer ist, mit

Kostbarkeiten und Gemälden von ungeheurem Wert, unter andern Correggios Gethsemane";

die von Lord Dudley-Ward, wo er Rafaels drei Grazien und Vierge a la legende, Tizians

drei Lebensalter, einen „riesenhaften Murillo und unerhörtes Anderes" zum erstenmal sah,

die Grosvenor Gallery mit Tizians Jupiter und Antiope, zehn Claude Lorrains 7 immer

schon eine Schwärmerei von ihm -, viele Spanier, Unika von Rubens, die Sammlung Northbrook

 mit Rafaels früher Madonna, mit Murillos Porträt des Andres de Andrade, das damals

noch als Selbstporträt des Malers galt, mit mindestens zwei echten Jan van Eycks, mit Pordenones

 „gewaltig schöner I-Ierodias" und anderes, dies alles „flankiert von Ruysdael, Hobbema

und allem, was nur groß und berühmt ist", endlich die Sammlung des Earl of Lansdowne,

„nur zweiten Ranges zwar", aber doch mit zwei Murillos, mit einem der sublimsten Seb.

del Piombo (Kolossalporträt) und mit einer ganzen großen Galerie antiker Statuen, „worunter

ein Exemplar der Berliner Amazone des Kresilas in ziemlich guter Erhaltung". Von einzelnen

 dieser Schätze erzählt er später in den Aufsätzen seiner letzten Jahre über die

Sammler, das Porträt und das Altarbild in der italienischen Malerei, aber an eine schrift-'

 München, Georg Müller und Engen Rentsch 1913.
            
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