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Volltext: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 3)

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Exlibris oder Bibliothekszei- 
chen nennt man auf der Innen- 
seite eines Bucheinbandes oder 
am Vorsatzblatt eingeklebte, ein- 
gedruckte oder handverfertigte, 
auch eingepreßte Besitzzeichen, 
deren Zweck ein doppelter sein 
soll: das Eigentum an dem Buche 
zu dokumentieren und dieses zu 
schmücken. Als Vorläufer des 
Exlibris könnte man die Titel- 
miniaturen alter Handschriften 
ansehen, soweit sie auf den Be- 
sitzer oder einen Geschenkgeber 
sich beziehen. Handgeschriebene, 
ausdrückliche Eigentumsvermer- 
ke trifft man schon in Hand- 
schriften des XIV. Jahrhunderts. 
Etwas später malte man die 
Wappen des Besitzers als Eigen- 
tumsbezeichnung ein und dürfte 
wohl zu den ältesten dieser Art 
das Bücherzeichen des Königs 
Georg Podiebrad, welches sich durch eine aufgeklebte Überschrift als ein 
solches kennzeichnet, gehören. Die Ausstellung zeigt uns ein solches hand- 
gemaltes Exlibris aus der Zeit um etwa 1450, darstellend das Wappen eines 
Rudolf von Calle (Abb. I}. Mit der Erfindung des Holzschnittes wurde zuerst 
das Exlibris auf mechanischem Wege hergestellt und seine eigentliche 
Periode begann mit der Erfindung der Buchdruckerkunst. Um die Ehre, 
das älteste, mechanisch reproduzierte Exlibris zu sein, streiten drei Blätter, 
von welchen das des Kartäusermönches Hiltprand Brandenburg aus 
Buxheim bei Memmingen ausgestellt ist: ein handkolorierter Holzschnitt, 
darstellend einen Engel, das Wappenschild haltend, 
etwa um 1465. Das ebenfalls ausgestellte, „Rohr- 
bach" bezeichnete Blättchen, Allianzwappenschilde 
mit zwei kostümlich interessanten Wappenhaltern, 
gilt als das älteste gestochene Exlibris. Es stammt 
etwa aus der Zeit von 1485 und stellt eine ganz 
respektable künstlerische Leistung dar. 
Das XVI. Jahrhundert produzierte eine Fülle 
der köstlichsten Blätter und erhielt darum auch in 
der Ausstellung einen bedeutenden Raum zuge- 
, wiesen. Die Renaissance war die erste Glanzperiode 
Abb. 4. j. w. Meil des Exlibris, welches seine zweite im Rokoko und 
 
Abb. 3. H. Ullrich 
 
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