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Full text: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 3)

Die höchste Entwick- 
lung des Rokoko in England 
bedeutet der Chippendale- 
Stil. Die Zahl solcher Ex- 
libris, welche sich insbeson- 
dere durch die phantasti- 
scheste und reichste Ver- 
wendung der Blumenorna- 
mentik auszeichnen, wird auf 
etwa 5000 geschätzt (Abb. 6). 
Den Abschluß fand diese Pe- 
riode mit dem Ausgang des 
XVIII. Jahrhunderts in dem 
ruhigen und nüchternen Fes- 
tonstil. Auch die italienische 
Exlibriskunst des Rokoko 
brachte reizvolle Blättchen 
hervor. Unter diesen die auch 
als Visitkarte benutzte Ex- 
librisradierung von Piranesi 
für den Earl of Aylesford. 
Man ließ sich häufig ein Abb, 8_ Marquis Bayms 
„Kupfer" stechen, welches 
man dann beliebig als Exlibris oder Visitkarte verwendete. Merkwürdiger- 
weise brachte die französische Revolution den fast gänzlichen Verfall dieser 
anregungsreichen Kleinkunst mit sich. Möglicherweise betrachtete man in 
Frankreich das Exlibris als ein entschieden aristokratisches Requisit und 
wollte mit den Sitten und Gebräuchen der überstandenen Periode gänzlich 
brechen. In den Ländern unter Frankreichs politischem Einflusse wurde das 
typographische oder das einfach geschmückte Rahmen- und Kartuschen- 
exlibris vorherrschend. In den andern Ländern bediente man sich zumeist des 
einfachen Wappens als Bucheignerzeichen. Andersartige Exlibris aus der 
Zeit um die Jahrhundertwende bilden Ausnahmen: einige Blättchen mit 
Parkprospekten im Geiste der Romantik und solche im Empirestil. Damit 
schien die Produktion künstlerischer Exlibris erschöpft und der Gebrauch des 
Exlibris entschwand mit dem zunehmenden XIX. Jahrhundert immer mehr 
und mehr. Die wenigen aus dieser Zeit stammenden Exlibris beschränken 
sich zumeist auf schlecht und roh gezeichnete Wappen oder typographische 
Blätter. Es ist daher schwer, vor 1860 bedeutendere Vertreter zu finden, was 
auch die Ausstellung beweist, in welcher man für diese Zeit nur Exlibris mit 
berühmteren Namen begegnet, die nur aus diesem Grunde Interesse erwecken. 
Erst in den sechziger Jahren waren es Professor Bendemann und Hühner, 
die einige interessantere Exlibris radierten. Auch von Ludwig Richter 
stammt ein einziges kleines Blättchen, allerdings ein für ihn typisches. 

	        
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