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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 3)

zur Natur wechselt beständig, je nachdem wir sie mit unserer Sinnenwelt zu fassen oder

ihr mit unserer Geisteswelt näher zu kommen trachten.

Das Nebeneinander von älteren und jüngeren Werken der Kunst gibt in diesen

Wechsel höchst interessante Einblicke.

KOLLEKTIVAUSSTELLUNG__IN DEN RÄUME_N DER VER-EINIGUNG

 BILDENDER KUNSTLERINNEN ÖSTERREICHS.

Die hellen, freundlichen Räume der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs

im Hotel Astoria wurden von einigen Künstlern benutzt, um Kollektionen ihrer Arbeiten zu

zeigen. Neben den Malern sind auch Bildhauer zu finden und da muß auf die reifen Arbeiten

der Professoren Barwig und Powolny in erster Linie hingewiesen werden. Man freut sich

stets, den lebensvollen und in ihrer vornehmen Vereinfachung so groß wirkenden, wenn

auch räumlich kleinen Tiergruppen Barwigs zu begegnen und erquickt sich immer von

neuem an der figuralen Keramik Powolnys, die so persönlich und edel ist.

Hier ist die Versenkung in die Natur zu finden, die den Arbeiten Tiefe gibt, und das

geläuterte Stilgefiihl, das dem vollen Beherrschen des Materials entspringt, das Konzentration

und Meisterschaft zeigt.

Karl Sterrer junior sucht in mannigfaltigen italienischen Studien, in eigenartigen

Dichtungen mit dem Pinsel seinem persönlichen Stilexnpünden Ausdruck zu geben. Manche

breit hingesetzte Studie erreicht eine vornehme Einfachheit, manche reich gegliederte

Komposition leidet darunter, daß sie mehr auf das graphische wie auf das malerische

Gebiet übergreilt. Innerlichkeit ist den meisten Arbeiten eigen.

Die rein malerische Freude am Ausleben in der Farbe wird von 0. Larsen und

A. Buchta betätigt. Larsen geht auf dekorative Wirkungen an der Wand aus und träumt

offenbar von großen Aufgaben, die er durch Entwürfe vorbereitet. Buchta sucht vor der

Natur den subtilen Zusammenklang interessanter Farbenprobleme. Auch hier geht das

Wollen über das Können noch fühlbar hinaus.

IENER KÜNSTGEVVERBEVEREIN. In seinen neuenAusstellungsräumen

(Stallburggasse 3) tritt der Wiener Kunstgewerbeverein mit einer Schaustellung

von lnterieurs und Einzelobjekten wieder auf den Plan und schafft damit eine leicht

zugängliche, bequeme Einkaufsgelegenheit auf kunstgewerblichem Gebiet. Eine solche

permanente Schaustellung ausgewählter und käuflicher Arbeiten entspricht sicher einem

Bedürfnis und sollte in einer Stadt von der Ausdehnung und den künstlerischen Bedürfnissen

Wiens sicher in noch weit größerem Umfang zur Orientierung bereit sein.

Schon die neue, einfache und sachlich gelöste Schauseite der Straße zu läßt eine

Wandlung im Sinne der jüngeren Generation erwarten.

Das im Inneren Gebotene erfüllt nicht ganz die Erwartungen, welche erweckt werden.

Am deutlichsten ist der Gewinn an künstlerischer Qualität durch die Arbeit der letzten

Jahre auf dem Gebiet der Keramik zu fühlen, wo Wahliss, Bück, Kirsch, die Kunstkeramischen

 Werkstätten eine stattliche Zahl trefflicher und mannigfaltiger neuer Leistungen

darbieten. Auch die Metalltreibarbeit ist durch Pfalfenmeyers und I-lagenauers Leistungen

gut vertreten, während auf dem Gebiet der edlen Metalle E. Friedmann und N. Südfeld ä Co.

gute Stücke zeigen. Einzelne tüchtige Arbeiten sind besonders zur Schau gestellt mit

Nennung der entwerfenden Künstler; auch das bedeutet Fortschritt. Die Steife Backhausens

und der Firma Haas, die Lederarbeiten Melzers erfreuen in jenen Objekten, die künstlerischen

 Ursprungs sind; auf dem Gebiet der Stickerei sind die Damen M. Steger,

Gr. Pappenheim, J. Blahy, M. l-landler und M. Bemhuber zu nennen, die offenbar auf den

guten Wegen zu wandeln bestrebt sind, welche die jüngere Generation inaugurierte.

Weniger Freude machen die lnterieurs, die trotz technisch so tüchtiger Leistungen vielfach

der künstlerischen Führung entbehren. Irmler bemühte sich, mit seinem ernsten Wohnzimmer

 der sachlichen Strenge und formalen Einfachheit der neuen Zeit Rechnung zu
            
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