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Full text: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 4)

heit von neuem vor unserer Phantasie erstehen lassen. Wir müssen auf die 
entwicklungsgeschichtlichen Vorgänge im Gartenwesen blicken, um zu 
sehen, wie der Garten aus bescheidenen Anfängen zu einem Kunstwerk 
von höchster Vollendung gediehen ist und wie das ganze Gebiet der Garten- 
kunst in seiner logischen Ausbildung, in seinem engen Zusammenhang mit 
dem sozialen Leben gleichsam etwas notwendig und wie von selbst Gewor- 
denes darstellt. Auf diesem Wege werden wir zur Erkenntnis aller jener 
Momente gelangen, die noch heute ihre Geltung haben, und werden überdies 
zahlreiche Fingerzeige finden, welcher Motive wir uns heute noch mit Erfolg 
 
Niederländischer Schloßgarten, XVI. Jahrhundert (nach van Sypesleyn) 
bemächtigen können. Wenn wir vom Altertum und vom Mittelalter absehen, 
so läßt die Entwicklung der europäischen Gartenkunst vier große Gruppen 
erkennen: den Renaissancegarten diesseits der Alpen, den italienischen 
Garten des XVI. und XVII. Jahrhunderts, den französischen Barockgarten 
und den englischen Landschaftsgarten. 
Über den mittelalterlichen Garten sind wir ungenügend unterrichtet. 
Aus dem Grundriß des Gartens des Klosters von St. Gallen aus dem 
IX. Jahrhundert läßt sich nur entnehmen, daß er eine Einteilung in recht- 
winkelige Beete aufwies, von denen jedes seine eigene Bestimmung für 
Obstbäume, Kräuter, Gemüse, Blumen und so weiter hatte. Es war im 
wesentlichen die Einteilung des heutigen Bauemgartens. Über das Aus- 
sehen der Burggärten geben einzelne Stellen bei den Minnesängern dürftige 
Auskunft, und auch sie machen uns mehr mit den einzelnen Bestandteilen
	        
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