MAK

Full text: Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 6 und 7)

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aufregendwirkemSie 
hätten durchaus ein 
paar l-Iäuser weiter 
am rechten Ort hän- 
gen können, ohne sein 
Niveau zu drücken, 
freilich auch, ohne es - 
besonders und erre- 
gend zu nuancieren. 
Wir suchen das 
Gute heraus. Strucks 
Jude, ein ahasveri- 
scher Kopf, wie sie 
der eifervolle Künst- 
ler, den man immer 
als den letzten der 
Makkabäer fühlt, oft 
radierte und malte, 
düster, umschattet 
vom Leid der Welt, 
aus der Wirrnis 
von Haar und Bart 
tauchend. Lebendi- 
ge Tierimpressionen 
von Pottner, die frei- 
lich hinter seinen 
leibhaftigeren Kera- 
Tniken zurückbleiben- Bodenbelag aus der Triestiner Linoleurnfabrik, entworfen von Professor Josef 
BESOHÜGYS gelungen Hoffmann (Raum 25) 
die Enten im Rohr, 
plustrig, weißballig mit stahlblauem Hals in Wellenkringel und Binsengestängel, und die 
brütende Sonnenruhe mit dem Truthahn, über dessen kollerigem fahlrosa Geschlinge das 
Licht spielt. Etwas hölzern aber wirkt der heilige Franziskus, der bei Pottner, dem Vogel- 
freund, natürlich nicht den Fischen, sondern den Reihern und Pelikanen ins Gewissen und 
ins Innere und somit doch indirekt auch den Fischen predigt. 
Ernst Opplers Strandbilder zeigen die bekannte Technik, die man oft in der Sezession 
sah. Sie sind sehr duftig und hauchig, als ob Schmetterlingstaub über sie hingeblasen wäre, 
eine farbige Grazie von Flimmerpünktchen, die über der grautonigen Harmonie der Dünen 
aufglitzern. 
Eugen Spiros Meier-Gräfe-Porträt mit Zigarette am Schreibtisch hat im heftig 
arbeitenden Intensitätsausdruck etwas vom Furorwesen dieses leidenschaftlichen, ruhe- 
losen Künstlertemperaments erhascht. Doch die Mittel, mit denen diese merkwürdige 
Mischung von Hackernder Fülle und Konzentration, die sie zur Darstellung händigt, hier 
von Spiro ausgedrückt wird, wirken allzu mühsam und verraten alle Schwierigkeit der 
Aufgabe. Bischoff-Culms Fischerstüclre sind in ihrer derbfiächig, breiten Niederländerei, 
in der Trikolore von Gelb-Blau-Rot H in der Fischauktion schuppig-silbrig durchsetzt - 
recht brav, aber etwas eintönig. Bernhard Haslers Tigerjagd quirlt ein Farbenchaos 
zusammen: Grau des Elefanten, Weiß des Schimmels, das Gescheckte des anspringenden 
Tigers, wildgewordene Alexandersarkophag-Motive, ohne souverän bezwingende Hand. 
So rutschen wir allmählich ins Negative. Und aus diesem Bereich scheinen mir von 
einigen langweiligen und daher der Erwähnung unwerten Nummern am wenigsten gelungen 
die Bilder von Max Neumann. Seine Potiphar und die Grabtragung sind puppig, und die 
 
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