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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

445

aufnehmen und fortsetzen.

Nur die mittlere Partie der

Casula bricht sich in

eckigen Linien, und in verwandter

 Weise stößt auch

der Saum der Albe am

Boden auf. Die Falten

sind reicher, häufiger, aber

auch schematischer, leerer.

Wie unwahr sie aber auch

wirken mögen, so bilden

sie nichtsdestoweniger einen

 wichtigen Stimmungsfaktor.

 Sie verleihen der

persönlichen Erscheinung

etwas Gewichtiges, Pathetisches,

 wie es der Repräsentanz

 eines Kirchenfürsten

entspricht.

Die für die erste Hälfte

des XV. Jahrhunderts besonders

 charakteristische

Häufung von Parallelfalten

hat vielleicht ihren Grund

in dem Streben, die Weichheit

 des Stoffes naturwahr

zu bilden; in Wirklichkeit

aber entfernte sich der

Künstler mehr von der Natur

als am Ende des XIV. Jahrhunderts.

 Gerade bei der

Abb. 23. Deckplatte der Tumba des Propstes Petrus Pienzenauer in Grabplastik der ersten Hält;

der Stiftskirche zu Berchtesgaden

te des XV. Jahrhunderts

macht man häufig die Wahrnehmung, daß das zunehmende Naturstudium, das

Vertiefen in alle Einzelheiten recht eigentlich nur für das Porträt Geltung

hat. Hier bleibt der Bildhauer seinem Streben getreu bis zu einer ernsten,

fleißigen, alle Details berücksichtigenden Lösung, während er in den größeren

Gewandpartien mehr aus sich heraus als wirklich nach dem Modell arbeitet;

höchstens, daß er einzelne der Natur entlehnte Motive seinen Faltenkompositionen

 einfügt. Diesen eigenartigen Widerspruch finden wir auch

beim Bildnis Zipflers. Der schematischen Durchbildung der Falten steht die

sorgfältige Behandlung des Gesichtes gegenüber. Es unterliegt keinem

Zweifel, daß uns hier ein lebenswahres Porträt anblickt; wir haben das

wahr und sicher erfaßte Bild einer Persönlichkeit vor uns. Ein vollwangiges
            
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