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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

Dresden in Kühls Anordnung bringt ein Wiedersehen mit Klingers strenger Pieta,

mit der Hessischen Bäuerin von Karl Banzer, die pergamenten aus der Nische des

schwarzen Kopfschmucks gleich einer unerbittlichen Ahnfrau den Beschauer anblickt.

Und fesselnd ist das Porträt Wrbas von Gußmann. Der einfallsreiche Bildner reizvollster

Kleinplastik schreitet hier breit und strotzend in Fallstaffscher Persona einher mit wehendem

 Haar unter aufgelüftetern Hut.

Am uncharakteristischesten wirkt die preußische Kunstdomäne, die Professor Jacob

verwaltet.

Da hier die Sezession aus naheliegenden Gründen fehlt, ergibt sich in diesem

Jubiläumsspiegel der letzten 25 jahre eine erheblich leere Stelle. Wir heben immerhin

einiges Gute heraus: Menzels Gasteiner Prozession (aus Berliner Privatbesitz auftauchend)

mit juwelierhafter Zierkunst sakralen Schmucks, der Meßgewänder und Baldachine;

Schuster-Woldaus zärtliche Liebeslieder voll Farbenschmelzes und kennerischer Geschmackskultur.

 Boehles Pferdeschwemme mit Schimmel, Braunen und Falben, dem

plurnpknochigen Knecht, ilächig, markig, Dürerisch (man denkt an die strengen Maße von

Michael Kohlhaas) Janssens, des Düsseldorfers, Niederrheinische Kirmes, drall, voll Fiedelgekreisch

 und Röckegeschwenk, dabei nicht ohne eine gewisse Kleinbürgerlichkeit im

Bacchantischen. Schließlich ein feiner Lesser Ury aus früher Zeit, eine Flandrische Landschaft

 im weichen Duft grüngelber Wipfel.

Recht gut schneidet in dieser Schau die Plastik ab.

Man sieht den prachtvollen Fechter Lederers vom Breslauer Brunnen, den schlanken

Jüngling, in den Hüften spielend und biegsam wie seine Florettklinge, die Pferdegruppe

von Encke, die in Bronze Peter Behrens stolzes Botschaftsgebäude in Petersburg krönen

wird; Joachim Pagels liebenswürdigen, an altdeutsche Schwänke erinnernden Hühnerdiebbrunnen;

 Wackerles Nymphenburger Grazienkünste in Porzellan.

Vor allem aber fallen lebensvolle künstlerische Tiercharakteristiken auf, so der langhaarige

 Dackel von Fuchs aus rotgelbem marokkanischem Marmor; der Kater von dem

Tiroler Anton Puchegger (den wir wegen seiner materialgerechten Kunst schon in der

Ausstellung der Holzbildhauerei rühmen konnten), leibhaftig und dabei ägyptischer Plastik

verwandt, auf die größte Vereinfachung der Form reduziert, durchaus Katze, aber dabei,

äußerlichem Naturalismus fern, ebenso ein Ganzes als Transponierung in die künstlerische

Ausdruckssprache des Holzes, seiner geschnittenen Flächen und Konturen.

Ferner der Apteryx von Edmund Gomansky, der Schnepfenstrauß mit langspitzigem

Pfeilschnabel und dem Stachelhaar, besonders echt in der Bronzewiedergabe.

Und am originellsten, gleichfalls aus Bronze, das Stachelschwein von Max Esser mit

seinem starrenden Lanzenwald von über tausend eingesetzten dunklen goldschattierten

Speeren. Vielleicht mehr Kunstgewerbe und Kuriosität, aber sicher in seiner Art außerordentlich

 gelungen.

Einen überragenden Teil der Ausstellung nimmt die Architektur ein mit einer Fülle

zierlich aufgebauter Kleinmodelle und photographischer Darstellungen.

Das ist schwer übersehbar. Dominierend ist dabei, dem Jubiläumssinne der Veranstaltung

 gemäß alles das, „an deren Errichtung Seine Majestät der Kaiser besonderes

Interesse genommen haben". Eine große Rolle spielt Bodo Ebhardt und die historischen

Rekonstruktionen wie die Saalburg und die Hochkönigsburg.

Aber daneben kommen zu vollem Recht auch Messel und Ludwig Hoffmann.

Felix Poppenberg

ERLIN. KINQARCHITEKTÜR. Die neuen Kinohäuser liefern mit ihren

besonderen Raumbedingungen den Architekten besondere anregungsvolle Aufgaben.

Manche Baukastenspielerei voll Geschnas und Clinquant im „stile fugitive" von Knallbonbon

 und Bonbonniere kommt dabei heraus. Aber auch Lösungen voll zwingender

künstlerischer Bedeutung.
            
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