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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 8 und 9)

dekorative Komposition in feinster Farbenstimmung. Etcheverry wird wieder einmal einen

durchschlagenden Postkartenerfolg haben. Das elegant sentimentale Pärchen heißt hier

„sous le masque".

Ein gewagtes allegorisches Unternehmen ist jenes des jungen Malers Andre: Gabriel

Ferrier, welcher es versucht hat, den Geist und die Materie, „Yäme et le corps" darzustellen.

 Wie immer man über den Sinn des Werkes denken mag, so weist doch die Ausführung

 der beiden Figuren bedeutende künstlerische Eigenschaften auf.

Unter den Historienmalern bemerken wir den sonderbaren Louis XI, der vor den

Medaillen seines Hutes betet, ein Bild von Dessertenne; dann die „letzte Vision" Napoleons

auf St. Helena, eine ziemlich naive Auffassung von Farre.

Mit wahrer Freude begrüßt man die beiden prachtvollen sonnendurchleuchteten

Meisterwerke von l-Ienri Martin. „Sous la pergola" stellt einige schlichte arbeitende

Frauen auf einer laubumrankten Terrasse dar. Das Laub, diesmal dunkelrote wilde Weinranken,

 begleitet auch die tragische Figur des zweiten Bildes „la vieille mendiante". -

Impressionierend sind die vier verkommenen Volkstypen, welche Mac Cameron in seinem

Bild „les bas-fonds de Londres" meisterhaft charakterisiert hat.

Richard Miller hat ein hübsches Farbenspiel mit einer rothaarigen Frau in lichtviolettem

 Gewand mit smaragdgrüner Schärpe komponiert. Tito Salas arbeitet stark nach

der Manier Zuloagas, welche er an Szenen aus der Bretagne anwendet. In dieselbe Kategorie

 gehört auch Vasquez Diaz. Letzterer zeigt uns eine merkwürdig düstere Auffassung

der Flitterwochen eines jungen Bauernehepaares.

Zwei sehr feine Genrebilder sind von Jean Geoffroy; ein reizendes kleines Mädchen,

am Meeresufer mit einer Ziege spielend, heißt „sur 1a cöte d'Emeraude" und ist Walhain

gezeichnet. „Premiers chiifons" von Bricard, welches die schüchtern erwachende weibliche

 Eitelkeit charakterisiert, ist in diesem Genre eine ganz vorzügliche Leistung.

Am interessantesten in diesem Salon sind vielleicht die sehr verschiedenartigen,

zumeist sehr guten Porträte, welche er vereinigt. Man muß nach denselben zwar an allen

Ecken und Enden suchen, doch liegt vielleicht gerade darin eine Absicht, das Publikum zu

zwingen, in allen Sälen zu verkehren. Gar viele Menschen gehen nur deshalb in den Salon,

um dieses oder jenes Porträt gesehen zu haben.

Von bekannten Persönlichkeiten treten hier vor das Publikum: der Cardinal Amette,

Erzbischof von Paris, gemalt von Aubert, die Prinzessin Napoleon mit ihrer kleinen

Tochter (Maler Andre Brouillet); der Prinz von Wales in voller, prächtiger Uniform, vorzüglich

 gemalt von Arthur Cope. Ein würdiges Gegenstück wäre das große Porträt des

Prinzen Don jaime von Bourbon in russischer Oberstenuniforrn, ein Bild von Henri

Jacquier. Der bekannte Millionär Henry Deutsch de la Meurthe hat sich von Meister Leon

Bonnat malen lassen. Ich nenne hier nicht die anmutigsten Bilder zuerst; die schönen

Frauen sind Mademoiselle Simone de Frevalles, sehr schick, wenn auch etwas zu blond und

rosig, von Andre Humbert; die drei Schwestern von Robiquet-Lucas bilden eine reizende

Gruppe. Die Porträte von Mme. Jean Richepin und Yvonne Gall sind glänzende Leistungen

von Lavergne. Aida Boni finden wir auch in diesem Salon, hier von Frederic Lauth gemalt.

Gabrielle Dorziat als Amazone mit ihren beiden Windhunden ist ein lebensfrisches Bild

von Robert Sauber. Das beste Frauenporträt ist jenes der Comtesse des J. von Paul

Cbabas.

Unter den guten Männerporträten wären noch zu erwähnen: diejenigen von Dawant

und von Gabriel Ferrier, sowie der schöne Paul Deschanel von Morot. Ferdinand Roybet

gehört auch zu den Berühmtheiten, welche der heurige Salon vereinigt. Sein Frauenporträt

 erscheint wie ein prunkvolles Bild aus der Ritterzeit.

Das große Bild „iin de souper", auf welchem wir verschiedene bekannte Pariser

Persönlichkeiten erkennen, ist eine der vielbesprochenen Kompositionen von Jules Grün.

Im übrigen ist es eine elegante Gruppe in hübscher Staffage und kleidsamen Lichteffekten.

Zu den besten Sachen gehört auch noch „dans Yatelier" von Dechenaud: vier bekannte
            
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