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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 11)

Reformationszeit in guter Übung, so daß sich Handfertigkeit und Materialbehandlung

 in alter Überlieferung durchweg erhielten. So entfernt sich ein

Spätrenaissancerelief, die hier abgebildete Abendmahlstafel, nicht gerade

erheblich von der Kunstweise des späten Mittelalters, so weit sie -- wie

bei den Oldenburger Holziiguren - einen Einschlag des Volkstums erfahren

hat. Alle Gewandmassen sind ohne nachträgliche Überglättung durch das

Schnitzmesser gegliedert, wenn auch nicht mehr ganz so monumental wie

ehedem; besonders hat das Messer die Falten des Tischtuches schlicht und

wuchtig gebildet. Der Eichenholzcharakter

 fällt an dieser

Tafel auf. Die Darstellung und

die einzelnen Apostelgestalten

sind knorrig und schwer wie

das Material. Man spürt nichts

von der Beweglichkeit der

Zeitskulptur, dagegen viel von

der Schwerfälligkeit und dem

bieder-derben Wesen des niederdeutschen

 Volksstammes.

Bezeichnend ist in erster Linie

der schwere Rhythmus in dem

rechten Arm des Petrus und

der übrigen Apostel zur Linken.

 Man glaubt es zu sehen,

wie sich die Gefühle langsam,

aber wuchtig an die Oberfläche

arbeiten, man weiß, daß hier

der Arm eine nachdrückliche

Sprache redet; denn solche

Typen sieht man noch täglich

 im Dorfkrug oder in der

Gemeindesitzung. War der

Schnitzer auch nur ein schlichter Handwerker, so war er doch ein

großer Volksdichter im Heimatsdialekt. Gehen wir die Reihe der Apostel

durch, A überall finden wir ein Stück unverfälschten Niedersachsentums.

Der Ernst der Szene ist ohne viel Beiwerk und große Gesten wiedergegeben.

 Christus ist der schlichte Dorfgeistliche, die Jünger sind norddeutsche

 Bauern oder Schiffer, die eine Judasschändlichkeit bis in die

Seele empört. Nicht allzu viele Schnitzwerke von gleicher Inhaltstiefe

wird man aus jener Periode, in der formale und ornamentale Geschicklichkeit

 voranstand und die Stilmode tonangebend wirkte, heraussuchen

können. Ein Werk aber, bei dem der Schnitzer selber seelisch mitempfunden

hat, wird auch Menschen anderer Kulturepochen nicht kalt lassen und

unserer Zeit, die formale Mängel in einer einheitlichen Komposition über-



Altarrelief aus Eichenholz, bemalt, Größe o'57 Meter, Oldenburg,

westfälische Arbeit, Anfang des XVI. Jahrhunderts

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