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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVI (1913 / Heft 11)

Rochelle und sehen den Hafen im mattesten Licht in den zartesten Farben; rnit Burnside

Cameron sind wir plötzlich weitsichtig geworden, die Prozession im Boulogne sur Mer

erscheint zuerst nur als ein Gewirr von Klecksen und Strichen, erst wenn wir uns entfernen,

wird ein Bild daraus, ebenso Albert Hall bei Nacht und der Florentiner Dom im Sonnenuntergang,

 Boleslas Buyko schwelgt in Eindrücken von grellen Farben, die er insbesondere

in Siena und in Verona gefunden hat. Zu den durchaus guten Arbeiten gehören noch diejenigen

 von Corbellini (Korsika), die Schweizer Bilder von Andre Engel, die Pyrenäen

von Artur Gue und die farbenprächtigen Ansichten aus Venedig von Casimir Raymond.

Francois Garat erinnert sehr an Luigi Loir. Er arbeitet mit viel Geschick in derselben

 Manier, sowohl in der Technik (übermalte Kohlenzeichnungen) als in der Wahl

der Darstellungen: Szenen aus dem Pariser Volksleben. Das vorüberziehende Gewitter

über einer englischen Landschaft gehört zu jenen Bildern, die man unbedingt bemerken

muB. W. S. I-Iorton hat hier mit der ihm eigenen Gouachetechnik einen sehr stimmungsvollen

 Effekt erzielt. Nam, dessen drollige Katzen allgemein bekannt sind, bringt einige

Abwechslung in seine Kunst, indem er diesmal Löwen und Panther zu seinen Modellen

wählte. Unter den Blumenstücken ragen diejenigen von der beliebten Malerin Blanche

Odin weit über alle andern empor.

Zu den künstlerischen Ereignissen des vergangenen Monats gehört auch die feierliche

 Enthüllung der Deckenrnalerei in dem neu restaurierten Gebäude des Theaters der

„Comedie Francaise". Selbstverständlich war alles sehr gespannt darauf, zu sehen, in

welcher Weise Meister Besnard die ihm anvertraute Aufgabe gelöst hatte. Der neu ausgestattete

 Zuschauerraum des Theaters ist jetzt in Lichtgrau und Mattgold gehalten,

wodurch die feine harmonische Farbenstimrnung der Deckenmalerei noch gehoben wird.

Das Sujet stellt einen Tempel dar, in welchem als Götter die großen Dramatiker: Racine,

Moliere, Corneille und Viktor Hugo thronen. Von rechts fliegen die Musen mit Lorbeerkränzen

 in den Händen auf sie zu. Gegenüber hebt sich Apollo auf seinem Gespann von der

Sonnenscheibe ab. Diese Figur erscheint beinahe durchsichtig. Auf der linken Seite des

Tempels vereinigen sich alle allegorischen Darstellungen der dramatischen Kunst. Vor

allem Adam und Eva in dem dichtbelaubten Baum der Erkenntnis mit der unvermeidlichen

Versuchung, als die ersten Urheber aller dramatischen Konllikte. Ihnen zu Füßen die Figur

der Tragödie in dunklem Gewand und ernster Miene, daneben die schalkhaft lächelnde

Komödie. Besnard hat hier alles das geleistet, was man von einem berühmten Künstler

erwartet. Da es nun doch, auch bei einem Meisterwerk, erlaubt ist zu kritisieren, so will ich

noch erwähnen, daß trotz allgemeiner Bewunderung mehrfach die Ansicht geäußert

wurde, daß die Hauptfiguren, nämlich die berühmten Dichter, zu sehr im Hintergrund

verschwinden. Ein großer Teil der Deckenfläche ist mit malerischem Gewölk ausgefüllt,

dies hebt jedoch die einzelnen Teile der Komposition nur um so besser hervor.

Th. de Kulmer

IEN. WETTBEWERB FÜR I-IISTORIENMALER. In der Absicht,

durch die Stellung einer größeren Aufgabe auf dem Gebiete der Historienmalerei

die heimischen Talente zur Erprobung ihres Könnens auf diesem Gebiete anzuregen, wurde

vom Ministerium für Kultus und Unterricht ein Wettbewerb für die Beschaffung eines

Entwurfes für eine bildliche Darstellung der „Heerschau Maximilians I. in Trient x 508"

ausgeschrieben. Art, Form und Technik dieser Darstellung, welche als Wandschmuck in

einem Festsaale des neuen Kriegsministerialgebäudes in Wien dienen soll, sind der freien

Wahl des Künstlers überlassen. Die Entwürfe für den Wettbewerb sind in einem Fünhel

der natürlichen Größe auszuführen und müssen soweit gediehen sein, daß sie nicht nur

den kompositionellen Gedanken, sondern auch den farbigen Charakter deutlich erkennen

lassen. Dieser Wettbewerb wird auf österreichische Künstler beschränkt.

Als Preisrichter fungieren die Mitglieder der ständigen Kunstkommissionsselnion für

bildende Kunst und ein Vertreter des Kriegsministeriums.
            
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