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Metadaten: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

Vorptatj, die Küche, ein Wohnraum Platj finden, vielleicht auch 
ein Schlafraum. Ein Verfchlag, in dem eine Ziege oder ein 
Schwein gehalten werden kann, läßt lieh leicht anbauen. Das 
lieber fteile als zu flache Dach wird oft zweckmäßig bis zur 
Balkenlage überm Erdgefchoß beruntergezogen werden, die 
Schlafräume werden in feinem unteren Teil eingebaut werden 
können. Bei gediegener guter Husführung, wie fie unter allen 
Umftänden, um dem Bau Dauerhaftigkeit und gefundheitliche 
Vorzüge zu fiebern, überall gefordert werden muß, können hier 
genügend warme, trockene, gefunde Räume entfteben, die billig 
werden, auch wenn das Dach unter der Ziegeb oder Schiefer- 
deckung noch verfcbalt, mit Dachpappe belegt und innen gut 
verputzt wird. Leicht ergeben fich Hohlräume, die überall durch 
eine flrt von Wandfehränken ausnütjbar gemacht werden müffen. 
Wandfcbränke tollten überhaupt wo möglich in jedem Raum Platj 
finden, fie bedeuten, richtig verwendet, die hefte Raumausnütpmg, 
zugleich einen SAmuck und eine Erfparnis an Möbeln. Sind 
die Zimmer nicht hoch, fo können die SAränke bis zur Decke 
geben, fie bieten febr viel Raum, und es maAt fiA febr an 
genehm fühlbar, daß viel mehr BodenfläAe zur Benützung bleibt. 
Und boA tollen die Zimmer gar niAt fein, 250 Zentimeter wird 
hier meift genügen, wo die Mauern niAt ftark fein müffen und 
die Luft die HußenfläAen überall frei umfpült. Die niedrigen 
Zimmer find leiAt heizbar, tragen auA den erwünfAten ebr- 
liAen Husdruck der HnfpruAslofigkeit. Dann zwingen fie niAt 
dazu, auf die Treppen viel Platj zu verfAwenden. Wenn man 
beim Einordnen der Treppe einem Streber naA unwahrer Vor 
nehmheit niAt den geringften Einfluß läßt, fo kann man über 
haupt an Raum und an Mitteln reAt erhebliA fparen und das 
Erfparte an wiAtigeren Stellen verwenden. Wenn wir uns 
einmal im Sommer draußen irgendwo in einem Bauernhaus 
einmieten, maAt uns die fteile Treppe, deren Stufen vorn niAt 
mit Stoßbrettern gefAloffen find, den Aufenthalt unbebagliA? 
Gewiß niAt. Warum feilten folAe Treppen alfo, die febr billig 
und febr raumfparend find, niAt auA Verwendung finden 
können? - Die Fenfter brauAen wohl niAt allzu groß an 
genommen zu werden. Es bedeutet das ein Sparen mit Kohlen 
und Holz, zugleiA wird es faAUA ganz riAtig die gewöbnliAe 
Tätigkeit im Wohnhaus als eine folAe bezeiAnen, die niAt 
gerade ein Hereinftrömen von LiAtfülle erfordert. — Auf weitere 
Einzelheiten, auf Möbel und Innenausftattung, über die ja übrigens 
da und dort eine Bemerkung eingeftreut war, will iA niAt 
mehr eingeben. IA denke dabei an das Papierdafein folAer 
Erörterungen, und auA daran, daß iA Sie niAt ermüden darf, 
da doA grundfätjliA hier genau dasfelbe gilt, wie bei der Ge- 
ftaltung des ganzen Haufes. Nur die baupolizeiliAen Behörden 
feien noA gebeten mitzuarbeiten an dem Werk — dadurA, daß 
fie ihm keine Hinderniffe maAen; fie mögen fiA bereit finden 
laffen, alle VorfAriften zu unterdrücken, die auf das Gebiet des 
GefAmacks binübergreifen und dabei fAarf und klar trennen, 
niAt in der Meinung, daß fie für Ordnung forgen müffen, in 
diefes Gebiet eindringen, das ihnen niAt zugebört. Und auf 
ihrem eigenen Gebiet mögen fie auA die fAwere Aufgabe, mit 
ganz geringen Koften und doA erfreuliA — bebagliA zu bauen 
niAt noA erfAweren durA zu hoA gefteigerte Forderungen 
an Mauerftärken, an Holzftärken, an fteinernen Treppen; was 
hier gefpart werden kann, das kommt der Größe der Räume 
zugute und es erfüllt fo beffer einen wiAtigen Zweck; dabei 
ift ja auA noA zu bedenken, daß folAe kleine Wobnbäufer 
niAt für die Ewigkeit gebaut werden, alfo zweckmäßig fo, daß 
fie ihre vorausfiAtliAe Dauer mögliAft gut und ohne Repara 
turen zu beanfpruAen, ausbalten, niAt mehr; denn diefes Mehr 
koftet Geld und man bekommt niAts für das Geld. — Wenn fo 
alles bedaAt und gemaAt ift, dann müßte das Ergebnis fein, 
daß die Wobnftätten außen wie innen diefelben EigenfAaften 
zeigen, die wir auA an den Bewohnern finden möAten: ehrliA 
und anftändig, fAUAt, genügfam und dazu ftolz und ruhig, felbft- 
bewußt, beiter und treu. Wenn man an einem Feierabend in 
einer folAen Gaffe eine SAar gemütliA beieinander flehen 
fiebt, niAt in Reib und Glied, niAt aufgeputjt, niAt irgendwie 
zur SAau fiA ftellend, fondern ohne ftrenge Ordnung, aber 
auA ohne daß fiA einer beläftigend vordrängte, in Hemdärmeln 
vielleiAt und die Pfeife zwifAen den Zähnen, in bebagliAem 
GefpräA, dann follte man fiA denken müffen: ja, die paffen zu 
einander, die Käufer und die MenfAen. □ 
DIE LHGE DES KUNSTGEWERBES IN 
DEUTSCHLAND 
as Jahr- und LefebuA »DIE WELTWIRTSCHAFT« (Verlag B. G. 
Teubner in Leipzig) bringt im erften Band 1906 einen eingehen 
den orientierenden Artikel über das Kunftgewerbe von HERMANN 
MUTHESIUS, aus dem wir über die Bedürfniffe in Deutfcbland 
folgendes entnehmen: D 
Werden aber erft gediegenere und edlere Produkte im deutfehen 
Haufe übliA, wird das Gewerbe und die Induftrie mehr auf fie eingeftellt 
als auf den prädentiöfen Schund der lebten dreißig Jahre, fo ift dann auA 
zu hoffen, daß DeutfAland feinen kunftgewerbliAen Export auf eine 
andere Stufe ftellt. Würde fiA diefer mehr naA der Seite der Edel 
produkte als naA der der Maffenware entwickeln, fo wäre in vieler 
Beziehung UnendliAes gewonnen. Bei Edelprodukten ift der Verdienft 
größer, der VerbrauA an Robftoff geringer und die Art des Vertriebes 
vornehmer als bei billigen Maffenprodukten. Aber es gehört vor allem 
eins dazu: der gute Ruf des Herftellers. Die bloße VorzügliAkeit 
genügt niAt, folange diefer Ruf niAt vorhanden ift. Die Käufer von 
Edelerzeugniffen laffen fiA faft ledigliA durA das Vertrauen beftimmen. 
Auf diefe Weife ift es zu erklären, daß FrankreiA mit feinen Imitationen 
der Stile der Ludwige, die eine geiftigeLeiftung niAt mehr darftellen, noA 
beute den Weltmarkt beberrfAt. Hier ift erfiAtliA, wie fiA der wirtfAaft- 
liAe Vorteil einer im 17. und 18. Jahrhundert geleifteten Kulturarbeit 
bis in die Gegenwart herein erftreckt. Das Beifpiel läßt zugleiA ahnen, 
eine wie fAwere und langwierige Arbeit es fein muß, einen folAen 
unerfAütterliAen Ruf zu begründen. Und doA muß in der Begründung 
eines guten Rufes zunäAft das Ziel der deutfAen kunftgewerbliAen 
WirtfAaftspolitik gefuAt werden. DeutfAland wird nie eine Weltrolle 
fpielen können, wenn es fortfäbrt, auf der einen Seite den billigen 
Maffenexport zu kultivieren, der fich an die niederfte Volksftufe fremder 
Länder wendet und fiA überdies nur durA Unterbietung behauptet, 
und auf der anderen Seite die franzöfifAen Möbel und Bronzen zu 
kopieren. Eine weltwirtfAaftliAe Bedeutung kann fiA nur auf wirk- 
UAen und felbftändigen Kulturleiftungen aufbauen. Die NaAabmer 
und Unterbietet mögen im Dunkeln Vorteile ziehen, im LiAte der 
WeltwirtfAaftspolitik werden fie nie über eine zweite oder dritte Rolle 
binauskommen. D 
HiernaA ift die heutige deutfAe Lage fo aufzufaffen, daß eine in 
tellektuelle Bewegung unter den geiftig Führenden zwar die Grundlagen 
für eine neue Wobnungskunft und felbft eine neue Kultur in allen ihren 
Einzelheiten gefAaffen bat, daß aber die eigentliAen Konfequenzen in 
wirtfAaftliAer Beziehung noA gezogen werden müffen. Die Stärke 
der Bewegung und die ausgeprägte Eigenart ihrer Erzeugniffe eröffnen 
gleiAwobl günftige Aufpizien für die Zukunft. Es ift anzunehmen, daß 
in abfebbarer Zeit die deutfAe kunftinduftrielle Produktion fiA ge- 
fAmackliA beben und qualitativ verbeffern und daß allmäbliA auA 
der Export an kunftgewerbliAen und kunftinduftriellen Erzeugniffen 
einer Veredlung entgegenfehen wird. D 
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