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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 1)

dritter derartiger Giebelschrank mit vier über die ganze Breite der Vorderwand

 angeordneten Bogenfeldern, von welchen die zwei mittleren bis in den

Giebel hinaufreichen, steht gleichfalls auf der Burg Kreuzenstein.

III. Die in Gehrung geschnittene Vorderwand ist für das Türfeld rahmenartig

 profiliert und damit der Übergang von der Zimmermanns- zur Schreinerarbeit

 hergestellt (Fig. 9 und xo).

Was nun die Frage der vormaligen Bestimmungderartiger Schränke

betrifft, so können wir für die norddeutsche Gruppe ihre Verwendung in der

Kirche zur Aufbewahrung der Reliquien und Meßgeräte mit Sicherheit annehmen.

 Sie waren vielleicht in der ersten Zeit lediglich Reliquienschränke

und wurden erst später Sakristeischränke. Anders verhält

 es sich mit dem Giebelschrank tirolischer Herkunft,

 den wir als profanes Möbel ansehen müssen.

Sein Vorkommen auf kleineren Burgen und größeren

Bauernhöfen ist durch die Fundstellen nachgewiesen,

nicht aber seine eigentliche Bestimmung. Letzteres

scheint nur auf archivalischem Wege möglich.

Dem unter Figur 4 abgebildeten Schrank sagt

die Überlieferung die Bestimmung eines Urkundenoder

 Geldschrankes im Besitze eines der Rauriser

Gewerken nach. In Anlehnung an diese Tradition liegt

die Vermutung einer ähnlichen Bestimmung auch für

die Tiroler Schränke am nächsten. Wie eingangs

erwähnt, kennt das frühe Mittelalter nur die Truhe als

geschlossenen Behälter, und der eigentliche profane

Schrank als Ersatz für diese Truhe hebt in unseren

Gegenden erst mit der Mitte des XV. Jahrhunderts

m; „v Kleinewiebdschrein, an. Der Giebelschrank mit seiner mehr in die Höhe

mit Mßßwerk durchbrochen, als in die Breite gehenden Ausdehnung und mit seiner

jggifxäiizbäsrggizlüjjjsä; kunstlosen Konstruktion aus vollen Brettern erscheint

 wie eine gestürzte Truhe, als ein derartiges

Möbelstück mit der Tendenz in die Höhe. Die Gründe sind einleuchtend.

Sowohl die Absicht der Raumersparnis als das leichtere Auffinden der

verwahrten Gegenstände auf einzelnen Bretterlagen in Augenhöhe waren

hier bestimmend. Das Bedürfnis einer rascheren Erreichbarkeit mag

sich bei Briefschaften und Urkunden besonders dringend geltend gemacht

haben, und so weisen auch die ältesten Inventare in diese Richtung. Hans

von Wehrburg hinterließ im Jahre 1420 einen Schrein mit „ain saklein mit

santbrieffen, ain saklein mit VI noderbrieffen (Notariatsurkunden), ain püchlein,

ist Zaubbrey und vil klains pungtlein dar inn, aber XVIII noderbrief, zamm

gepunden, aber zwo abgeschrift in pappir, aber ain pappirbrief von dem von

Ortenburg und urtailbrief und santbrief und mangerlay zedel (Zettel)".

Aber bald vollzieht sich, wie wir dies an der späterenAdaptierung einzelner

Giebelschränke noch deutlich erkennen können, die Umwandlung des Kastens


            
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