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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 2)

Abarten der Glasgießerei und Glasmalerei vertreten. Für den Sachverständigen gibt es

darunter wohl einige interessante neue Verfahren zu studieren. Fast alle bekannten Namen

auf diesem Gebiete sind in der Ausstellung vertreten: Decmur, Massoul, Delaherche,

Lachenal, Dammouse, Habert, Dys, Tiifany, Decorchemont etc. Die neuen Statuetten von

Daum in abgetontem farbigen Glas (von oben nach unten zu immer dunkler werdend) sind

von origineller Wirkung.

Vasen in Metall sind auch in großer Auswahl vorhanden. Dunand und Bonvallet

leisten hierin das Beste. Unter den vielen Bucheinbänden findet man etliche ehrenwerte

Arbeiten, wenn auch nichts Hervorragendes. In der Menge der unzähligen Kunstsächelchen

in Metall, Horn und Leder gibt es viele gute Einfälle zu verzeichnen, welche insbesondere

von denjenigen geschätzt werden, die sich in derselben Weise betätigen. Die moderne

Goldarbeiterkunst hat speziell auf dem Gebiet der Ringe sehr viele neuartige und hübsche

Abwechslungen angewendet. Große effektvolle Ringe sind auch momentan der modernste

Schmuck. Th. de Kulmer

PRAG. AUSSTELLUNG VON ENTWÜRFEN FÜR ZIMMER-MALEREI.

 Die Ausstellung von Entwürfen für Zimmermalerei aus der Zeit von

1800 bis 1860, die das kunstgewerbliche Museum der l-Iandels- und Gewerbekammer in Prag

im Dezember und jänner veranstaltet hatte, öffnete einen Einblick in die Vergangenheit

eines künstlerisch niedergegangenen Handwerks. Ausgestellt waren durchwegs Vorlagen,

die sich im Besitz Prager Zimmermalerfamilien befinden oder aus solchen stammen. Sie bot

trotz dieser lokalen Beschränkung einen interessanten Blick über die unruhige Entwicklung

der Zimmer- und Saaldekorationen in der Zeit, die sich anfangs von der klassischen Antike

und dann sprungweise von Rokoko und Gotik nährte und an einer vermeintlichen Renaissance

 zugrunde ging. Aber es fmden sich darinnen Einsprengsel, die über die Mode

hinaus ihre Bedeutung haben. Die Mode in der Zimmermalerei war in jedem Status jener

Entwicklung sehr abwechslungsreich. Zierliche Kopien und Nachempfmdungen des

strengen Stils der pompejanischen Wanddekoration, Nachahmungen der späteren mit

einem Eguralen Wandgemälde auf einem ruhigen gleichmäßigen Grund; dann Schöpfungen

ähnlich denen, die aus der Villa der Livia bekannt sind, mit auf die Wand gezauberten

Gärten. Eine andere Gattung Vorlagen aus dem Anfang des Jahrhunderts bilden die

Säulenordnungen, die mit plastischer Wirkung sich an den Wänden hinziehen, untereinander

 verbunden durch bunte Draperien; sie gehören zu den weniger angenehmen

Vorbildern, der Häufigkeit dieser Vorlagen nach aber müssen diese kulissenartigen

Dekorationen sehr beliebt gewesen sein. Als die gotische Mode blühte, da hat die gemalte

Architektur an der Zimmer- oder Saalwand Orgien gefeiert; sogar altes Gemäuer, aus dem

Gras und Unkraut wuchert, konnte dieser gruselseligen Zeit als Zimmerschmuck zugemutet

werden. Weniger empfindsame Leute konnten sich mit gestreiften Mustern zufrieden

geben, die wir noch heute in den schottischen Tüchern bewundern und die als Flächendekoration

 gegenüber jenen wüstenv Phantasien sehr wohltuend wirken. (Auf der

modernen Tapetenausstellung des Osterreichischen Museums im Jänner 1913 war

auch dieses Motiv wieder aufgenommen worden.) Verhältnismäßig gering war die

Anzahl an Blättern mit Rokokomotiven; wo diese aufgetreten sind, waren sie eine Nachahmung

 architektonischer Wirkung, Formen mit gesuchter plastischer Wirkung. In der

Mitte des Jahrhunderts tauchen unter dem Einiluß der englischen Tapeten prächtige

Zimmermalereien auf, und unter den Vorlagen sind manche, die es mit der besten

englischen Tapete aufnehmen konnten. Unter diesen Blumenmustern sind solche, die in

ihrer Zartheit noch an Louis XVI erinnern, und alle Arten bis zu schweren wuchtigen

Formen; darunter Blättermotive von einer Großartigkeit, die wie ein Ausschnitt aus einer

Urwaldsinfonie wirken. Diese Vorlagen setzen von dem Handwerker ein Können

voraus, das man von einem Durchschnittsakademiker von heute nicht verlangen dürfte.

Die Zimmermalerkünstler von damals aber haben ihr technisches Können zum Teil
            
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