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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1865 / 2)

brachte er auf jahrelangen Reisenvdurch alle Länder und Stätten alter Industrie

 und nicht ohne bedeutende Kosten eine Sammlung zu Stande, welche

nach Hunderten von Stücken zählte und mit ihren Beispielen die ganze

Zeit vom siebenten Jahrhundert bis zum sechszehnten und siebenzehnten

umfasste. Wenn man die Vergänglichkeit des Stoffes bedenkt, worauf er

sein Augenmerk richtete, die Sorglosigkeit und Missachtung, mit der diese

Gegenstände, sobald sie ausser Gebrauch kommen, behandelt wurden, so

wird man zugeben, dass eine Sammlung dieser Art, die eine gute Reihe

von l-lunderten aus jenen fernen Zeiten aufweiset, schon etwas sagen will.

Ja, von dem praktischen Werthe abgesehen, den wir hier noch ganz dahingestellt

 sein lassen, sind alle archäologischen Kenner darüber einig, dass

die Beck'sche Sammlung nicht blos einzig in ihrer Art ist, sondern auch

nun und nimmer eine zweite, ihr gleiche, wieder zusammengebracht werden

 kann.

Der Gründer selbst war auch der Erste, welcher zeigte, wie man eine

solche Sammlung verwerthen könne, und zwar in doppelter Beziehung, tiir

die Wissensehaü wie für das Leben. Was die erstere betriltt, so schrieb

er vorzugsweise auf Grundlage eben dieser seiner gesammelten Schätze sein

umfangreiches Werk, die Geschichte der kirchlichen Gewänder im Mittelalter

 und andere kleinere Arbeiten daneben. Für die Praxis begnügte er

sich nicht damit, eine Anzahl von Musterzeichnungen zu beliebiger Flächenverzierung

 im F arbendruck herauszugeben, solidem er verstand es auch,

am Rhein, zunächst für den Bedarf der Kirche, Stickerei und Weberei

nach mittelalterlichen Mustern und mittelalterlicher Technik neu zu erwecken

 und so unter-nehmenden und verständigen Fabrikanten einen höchst

einträglichen Geschäftszweig zu eröffnen.

Mochte diese anregende und fruchtbringende Thätigkeit ihres Gründers

 Vieler Augen auf die Sammlung hingelenkt haben, so war es doch

ein anderer Umstand, welcher ihren Werth ausserordentlich erhöhte, ja unschiitzbar

 machte. Mittlerweile ist nämlich in den allerletzten Jahren das

eingetroffen, was die weisen Sammler und Kunstfreunde vorausgesehen oder

geahnt hatten: es' ist der Geschmack, der Kunststil auf dem gesammten

Gebiet industriellen Schadens in einer vollständigen Revolution begriffen.

Man hat die künstlerische Nichtigkeit der bisherigen modernen Ornamentirungswcise

 eingesehen, soweit überhaupt Einsicht und Verständniss auf

diesem Gebiet vorhanden sind, und hat zugleich mit richtigem Sinne herausgefühlt,

 dass es sich nicht um einen Wechsel der Mode handle, sondern

dass man überhaupt eine soliderc Basis fiir diese ganze Art der Musterthätigkeit

 gewinnen müsse. Diese Basis ist aber nur aus den Mustern und

der Lehre vergangener Stile zu erreichen, und man siebt sich desshalb genöthigt,

 Woran früher kein Mensch gedacht hat, kunstindustrielle Museen

zum Zweck der Lehre und der Nachbildung anzulegen. Es ist klar, welche

Bedeutung unter diesen Umständen eine Sammlung, wie die Beck'sche,

die ganz eigentlich für den gleichen Zweck geschaffen war, gewinnen musste.
            
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