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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1865 / 2)

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dieser Prüfung und der Vergleichung mit anderen gleichzeitigen Gegenständen

 derselben Art, welche letzteren auch auf der Rückseite genau

untersucht werden konnten, hat sich das Nachfolgende herausgestellt:

Die einzelnen architektonischen Abtheilungen der burgundischen Gewänder

 scheinen jede fir sich oder in kleineren Gruppen, vielleicht von

5--6 Bildern, angefertigt und dann zusammengenäht worden zu sein. Diese

einzelnen Theile sind aber wirklich (nicht blos die Köpfe mit Pelzwerk

und Haaren, sondern auch die Gewandungen), wie dies von den Archäologen

gewöhnlich angenommen werden ist, mit d er Nadel angefertigt,

Stickereien in Gohelin-Manier. Nur die Streifen rothen Sammtes,

welche die einzelnen Abtheilungen begrenzen, sind mit gewebtem Sammt

aufgelegt.

Die Goldfaden sind stets über die ganze Breite des einzelnen Bildes

gespannt und auf der Leinwand, welche den Hintergrund bildet, befestigt

werden. Wenn alle Goldfäxlen gespannt waren, sind die Gewandpartien

darauf gearbeitet worden mit verschiedenen Nadeln, welche die verschiedenen

Farbtöne und die Schimmereffecte der verschiedenen Nuancirimgen hervorgebracht

 haben. Der Schimmeredect ist dadurch hervorgerufen, dass die

Fäden dichter oder weiter durchzogen sind, und zwar dichter in den Schattenpartien,

 weiter in den Liehtpartien, so dass die durchschimmemden Goldfäden

 die Lichter geben. Die Gesichter sind mit Plattstich ausgeführt;

die Goldfäden gehen hier unter der Leinwand durch, um die Lincamente

des Gesichtes nicht zu zerstören. Bei den Händen, Flügeln u. s. f. haben

die Verfertiger dieser Gewänder sich die grosse Mühe, den Goldfaden unter

der Leinwand durehzuziehen, nicht genommen und man fühlt daher bei

diesen Theilen unterhalb der farbigen Fäden die dicken Goldfaden. Wahrscheinlich

 sind die verschiedenen Felder der einzelnen Gewänder gleichzeitig

 nach vorhandenen Zeichnungen von verschiedenen Personen

ausgeführt worden, für welche Annahme nebst der bald grösseren, bald geringeren

 Sorgfalt und Kunst der Ausführung auch der Umstand spricht,

dass Philipp der Kühne und seine Gemahlin, welche die burgundischen

Gewänder bestellten, notorisch eine grosse Anzahl von Personen mit

Stickereien u. s. f. beschäftigt haben. (Siehe den Text der Specialpublication.)

Bei den beschränkteren technischen Hilfsmitteln jener Zeit, aus welcher

diese Gewänder herrühren, wäre es allerdings nicht möglich gewesen, denselben

 Eirfect, der bei den burgimdischen Gewändern durch eine unendlich

langwierige und mühsame Handarbeit erzielt werden ist, auch mit der

Weberei hervor-zubringen. Heutzutage, bei dem gegenwärtigen Stande der

technischen Hilfsmittel, liesse sich derselbe Effect (abgesehen von denKöpfen,

welche auch heutzutage in solcher Vollendung nur mit Plattstich ausgeführt

werden könnten) nach der Ansicht der Herren Vertreter des Webereifaches

auch mittelst Weberei erzielen. Bisher kann jedoch die Weberei auf keine

Leistungen hinweisen, welche sich in technischer und ikünstlerischer Voll-
            
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