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Höfner und Flint. Für die Silbersammlung wurde ein Augsburger Becher mit getrie- 
bener Arbeit erworben; unter den angeltauften Bronzegegenständen ist das Haupt- 
stück eine antike Schauspielermaske, welche am Altflusse in Rumänien gefunden worden. 
Endlich kamen in edlem Metall von Schmuckarbeiten hinzu: Filigrangegenstande von 
Ghedina in Cortina, fünf Stücke russischen Silberschmucks, ostgothischer Gürtelbescblag 
in Gold aus dem XV. Jahrh. und eine Serie Nachbildungen antiken Schtnucks von Castel- 
lani in Rom. 
Auch in die Raume des Mobelsaals gelangte im Anfang des Jahres noch ein 
Theil jener Objecte, welche auf der Wiener Weltausstellung 1873 erworben worden warum 
Es sind dies durchweg orientalische Gegenstände für Zimmereinrichtung, welche in ein" 
besonderen Abtheilung dm Saales IV, in einem von altpersischen Sammt- und Seiden- 
teppichen gebildeten Raume zur Aufstellung gelangten. Wir nennen als die hervorragen- 
deren Stücke: ein geschnitztes chinesisches Tischchen nebst Fauteuil, sowie eine Schirm- 
wand in derselben Technik ausgeführt; türkische Tabourets, theils von bemaltem Holz 
mit einer Sitzfiache von Thonmosaik, theils von Ebenholz mit Silberfaden in schöner 
Ornarnentation eingelegt. Einige Musikinstrumente aus der Türkei, zum Theil mit Schild- 
patt und Perlmutter inkrustirt, vier persische Lehnstühle, übrigens von europäischer Form 
und ein grosses bettartiges Gestelle, welches den auf altpersischen Miniaturen haußg ab- 
gebildeten Thronsitzen der Fürsten und Frauen gleicht. Letztgenannte Objecte sind mit 
Stiftmosaik in der feinsten Ausführung decorirt. Alle Möbel orientalischen Ursprunges, 
welche auf diese Weise den Sammlungen einverleibt wurden, kamen, mit Ausnahme der 
chinesischen, als Geschenk der betreffenden Ausstellungs-Commissionen in den Besitz des 
Museums. 
Eine weitere Gelegenheit zur Anschaffung von Möbeln für die Collection bot ferner 
im Laufe des Jahres 1874 die im Sommer veranstaltete Ausstellung von Mobeln und Ein- 
richtungsstuckcn, aus deren mannigfachem Inhalte einige Stücke erworben wurden, welche 
mehrere Lücken unserer Collection sehr glücklich ausfüllten. Hieher gehören ein Tisch 
aus Palissanderholz mit gedrehten Kugelfüssen und Messingbeschlagen, portugiesische Arbeit 
des 17. Jahrh., ein hochst charakteristisches, am meisten an die Formen der niederlän- 
dischen Renaissance, wie sie z. B. Vredeman liebte, crinnerndes Stuck. Daran schliessen 
sich sechs ebenfalls aus Portugal stammende Stühle, beiläufig aus derselben Periode, aus- 
gezeichnet durch die Lederüberzüge des Sitz- und Rücktheils, von denen fünf gepresste, 
d. h. mit heissen Metallstanzen eingetiefte, höchst stylvolle Ornamente haben, einer aber 
einen verwandten Dessin in das Leder geschnitten enthalt. Durch diese Stühle ist das 
Genre der Lederarbeiten, welches damals auf der pyrenaischen Halbinsel in besonderem 
Flor stand und in den Sammlungen des Museums bisher wenig vertreten war, in sehr 
bedeutenden Proben denselben einverleibt worden. Ebenfalls aus der Mübelausstellung 
stammt eine kleine, sehr zierliche Hochzeitstruhe, ganz mit Holzintarsia, etwa im Cha- 
rakter der Entwürfe Peter Fl6tner's geziert, datirt 163g und an der Vorderseite mit den 
gemalten Wappen der Familien Wuttnau und Lattorf versehen. Schliesslich gelangte ein 
Certosinertisch, mit kleinen Elfenbeinstuckchen in geometrischem Dessin eingelegt, in den 
Besitz der Sammlung, eine dem 17. Jahrhundert angehorige Arbeit. Von Frau Auguste 
v. Littrow-Bischof erhielt das Museum ein aus Holz geschnitztes und bemaltes Haus- 
altarchen zum Geschenke, welches 1657 datirt ist und aus Tirol stammt. 
Ferner wurde eine kleine, delicat durchgemhrte Holzßgur, Christus an der Säule, 
17. Jahrh, deutsche Arbeit, käuflich erworben, ein Elfenbein- und ein Holzfächer geschenkt 
von Frl. M. Hruby, ein Tableau mit Elfenbeingrsvirungen von Schwerdtner 8: Panigl 
in Wien gekauft, ein elfenbeinerner Kalender von 1644, Geschenk des Herrn Kabdebo, 
Holzmodelle für Pfelferkuchen, Geschenk du Herrn Canonicus Dengler in Regensburg, 
ein Schrank mit biblischen Darstellungen in Schnitzwerk, aus Schleswig, 17. Jahrh., 
durch Kauf erworben, desgl. ein anderer aus lichtgelbem Holz, ornamental gehalten, 511d. 
deutsche Arbeit derselben Zeit. 
Ebenso ansehnlich waren die Vermehrungen, welche die textilen Sammlun en 
im Jahre 1874 erfuhren. Obenan stehen in dieser Hinsicht zwei zahlreiche Collectionen, 
die durch Kauf in den Besitz des Museums gelangten; die eine enthalt frauzüsische Ro- 
cococostüme aus der ersten Halhe des vorigen Jahrhunderts, meist complette Anzüge 
für Herren, Damen und Dieuerschaft mit sammtlichem Zubehör, darunter einige pracht- 
volle Galafracks mit reicher Stickerei in bunter Seide, - das Ganze ein ausserordentlich 
werthvolles Material für (Jostnmkuade und nicht minder für die Historieninaler in hervor- 
ragender Weise verwendbar. Die andere noch bedeutend wichtigere Sammlung, welche 
den Besitz des Museums im betmtfenden Genre höchst geeignet complettin, ist die Bock- 
sche Collection von Spitzen und Kanten, eine sehr reiche und kunsthistorisch geordnete 
Suite, über welche in den nMittheilungcn- ausführliche Nachricht gegeben worden ist. 
Mehrere interessante Fragmente von Kirchenwasche und Altarbehangen schenkte Herr 
Canonicus Fr. Kornheisl, Blonden und Spitzen die Damen Frau Em. Bach und 
Frl. M. Hruby. Zur Ergänzung der im Vorjahr erworbenen grossen Sammlung sud-
	        

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