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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 3)

Lu;

„Kunstformen der Natur" kann man auch an den vier Tischplatten studieren aus

Amethystquarz, Malachit, Chrysopras, Lapislazuli, mit ihren den Baumringen verwandten

Kreisstrukturen, den dekorativen Runen, dem versteinerten labyrinthischen Adergeflecht.

Man erinnert sich bei dieser malerisch ausdruckstarken Sprache der Steine an San Paolo

fuori le mure, das prunkvolle Gotteshaus „vor den Toren Roms", nahe dem bescheiden

demütigen Quo vadis-Kirchlein am Kreuzweg. Und seine stolze Prachtwirkung kommt viel

weniger von der künstlerischen Arbeit der Menschenhand als von den natürlichen Omamenten

 der mit den vielfältigsten Marmorplatten inkrustierten Wände. Da leuchtet der

Giallo antico mit seinen cremigen Isabellentönen; der wie dunkler Wein glühende Rosso

antico; Jaspis, hellrot mit weiß und grünen Bändern; der Cipollino mit seinen fleckigen,

an Wurstschnitte erinnernden Füllungen; der Pavonazetto mit seinem Pfauengeiieder; der

Verde antico mit grünem Serpentingeschlängel.

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In den gläsernen Schatzhäusern dieser Ausstellung fehlt es nicht an kostbarem und

köstlichem Schmuck. Ein Füllhorn der Juwelen ist ausgeschüttet, daß man an die Ekstasen

der Wildeschen „Salm-ne" denkt, an die Onyxe, „gleich den Augäpfeln einer toten Frau", an

die Saphire, „in denen das Meer wogt und der Mond wandelt nie das Blau ihrer Wellen",

an „Sardonyx- und l-lyazinthsteine und Steine von Chalcedon".

Aquamarine von der lichtgrünen Helle der Bergseen leuchten. Eine schmale Borte

von minutiös gefaßten Brillanten umschließt sie wie eine krisselige Rüsche und ein Geflecht

von Goldzellen umspinnt als Rahmen den Anhänger.

Weiße Topase schimmern kalt und fröstelnd, aber die bleiche gefrorene Helle des

Mondscheins überläuft ein blauer Schleierschein - Gletscher-Notturno voll Astraltransparenz.

 Turmaline blühen grün, rotlila und - etwas Rares - taubenblutfarben. Aus

schwarzen Opalen sprüht Blinkfeuer wie Blitz aus der Gewitterwolke. Der Peridot gleicht

der Chartreuse verte im klaren Kristallglas. Der spanische Topas, tiefbraungelb, zeigt den

aromatischen Ton von Ambra.

Doch der eigenste dieser Steine, von dem weder die schwelgerische Kennerschaft

Oskar Wildes noch Huysmans (imjuwelenkapitel des Desesseintes aus „A Rebours") etwas

wußte, bleibt der l-Ieliodor. Aus dem im Hinterland von Swakopmund geförderten Edelberyll

- der auch die grünen und bläulichen Aquamarine liefert M wurde er in ganz geringer

Anzahl gewonnen. Von der gezehrten, tief öligen Farbe „alten Moselweins" (diesen Vergleich

 des Kaisers kann auch ein alter Professional der „ecriture artiste" nicht übertreffen),

glüht er voll brennenden Feuers, und mit Recht kommt ihm der Name des Sonnengold-Gesteins

 zu.

Der ihm den gab, sein Pate Lukas von Kranach, ein Nachfahr des alten thüringischen

Meisters, der Maler und Schmuckkomponist, nahm sich auch sonst seiner an und setzte

ihn ins rechte Licht.

Er entwarf im Auftrag des Kaisers das große, an die Würde-Attribute fürstlicher

Klosterfrauen gemahnende Kreuz für die Kaiserin, zwischen dessen Flügeln sich goldenes

Dornengeiiecht rankt.

Auch die andern Werke haben einen strengen sakralen, etwas dem Zeremonialprunk

des katholischen Kultus sich nähernden Charakter. An eine Monstranz erinnert die Nadel,

an deren Schaft ein glühendes Heliodor-Auge aus einem Strahlenkranz von Brillanten

blinkt, und noch stärker drängt sich solch allerheiligstes Gleichnis auf bei dem Anhänger,

der den Goldsonnenstein auf dem Hintergrund einer aus Brillanten und güldenen Zackenstrahlen

 Hammenden Aureole darbietet. Und wenn diese Steine, die vielleicht nicht wieder

erscheinen, reden, so würde es heißen:

„Hier ist es ein Wunder, glaubt es nur."

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