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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 4)

bekannten Juwelieren. Es sei jedoch bemerkt, daß hier sehr schöne Stücke auf das

geschmackvollste präsentiert sind.

Die Societe Nouvelle besteht fast ausschließlich aus berühmten Künstlern; ihre

früheren Ausstellungen umfaßten nur auserlesene Kunstwerke. Man weiß nicht, was heuer

vorgefallen ist, doch ist die diesmalige Ausstellung der Societe Nouvelle nicht nur beinahe

leer, sondern auch in der Qualität nicht mehr auf derselben Höhe. Nicht ein einziges

Bild erzielt einen unbestrittenen Erfolg. Alles ist sozusagen „zweiter Güte" und die

bekannten Künstler zeigen hier nicht ihre besten Qualitäten.

Albert Besnard zehrt noch immer an seiner Indienreise. Zwei Studien davon lassen

uns ziemlich kalt. Charles Cottet ist natürlich seiner geliebten Bretagne treu: einige

düstere Marinen und ebenso finstere Volkstypen tragen nicht zur Erheiterung der Stimmung

 bei. Bei Dauchez haben alle Landschaften denselben bräunlichgelben Anstrich, auch

scheinen sie sämtlich in der gleichen Jahreszeit gemalt zu sein, eine Art herbstlicher

Frühling. Henri Duhem arbeitet mit etwas mehr Farbe, ist jedoch fast ebenso langweilig.

Die Bilder von Le Sidaner machen einen viel besseren Eindruck, wenn man deren nicht zu

viele nebeneinander sieht. Von den sechs ausgestellten Arbeiten sind zwei als besonders

gelungen zu bezeichnen.

Die Kunst Henri Martins ist für großflächige Effekte besonders geeignet; es schien

mir immer als könnten sich seine Gedanken in einem kleinen Rahmen nicht entfalten. Wir

sehen hier sechs kleinere Stücke, darunter ein Selbstporträt.

Menard ist seinem Stil treu geblieben, das Bild „Bucolique" enthält einen wunderbaren

 LichteiTekt über einem See. Walter Gay malt vorzüglich prunkvolle Interieurs,

Maurice Lobre hat seinen Ruf mit den Bildern von den alten gothischen Kathedralen

begründet; seine Arbeiten aus Versailles sind weniger gelungen. Die Figuren von Lucien

Simon sind ebenso großzügig wie lebendig, „les carrioles", ein Bauernfestzug, ist sehr

flott entworfen. Raoul-Andre Ulmann ist für seine feingestimmten holländischen Landschaften

 stets von neuem zu bewundern. Ein zweiter Don Quichotte, diesmal von Sancho

begleitet, von La Gandara hat zwar nicht jenen durchschlagenden Erfolg wie das erste

Bild im Frühjahrssalon, ist aber als durchdachte Komposition durchaus bemerkenswert.

Fast alle Skulpturen, darunter einige Büsten recht häßlicher älterer Herren, sind von

Segoftin. Die kleine Mamorfigur „la chaine de la fatalite" von demselben Künstler ist eine

fein behandelte Allegorie.

Im Pavillon de Marsan (Musee des Arts Decoratifs) kann man sich über die jüngsten

Fortschritte der modernen Kunstgewerbler orientieren. Die „Societe des Artistes Decorateurs"

 hält dort ihre jährliche Ausstellung ab. jedenfalls wird in dieser Richtung sehr

eifrig gearbeitet, viel mehr, als dies in früheren jabren der Fall war, wo es nur vereinzelte

Versuche auf dem Gebiete des modernen Kunsthandwerkes gab.

Die Zimmereinrichtungen bilden wieder das Hauptkontingent. Wir sehen ein Herrenschlafzimmer

 von Follot, Speisezimmer von Gaillard, von Selmersheim, von Tauzin und

von Andre Groult. Letzterer hat seinen früheren ländlich freundlichen Stil wieder gefunden

und leistet auf diesem Gebiet das Beste. Praktische Arbeitszimmer sind jene von Maurice

Quenioux und von Majorelle. Die sensationellsten, nicht immer zweckmäßigen Neuheiten

erwartete man von Andre Mare. Sein Schlafzimmer ist aber diesmal nicht besonders grellfarbig,

 ein großgestreifter grün und blauer Leinenstoff wirkt immerhin sehr apart, besonders

als Kontrast zu den kostbaren eingelegten Möbeln. An merkwürdigen Einrichtungsgegenständen

 verdient das Boudoir von Sue und Palyart die Palme. Die kleinen Kunstmöbel von

Clement Mere sowie seine diversen Sächelchen in Lack, Elfenbein und Leder werden

selbst von den Feinden der modernen Richtung rückhaltslos bewundert. Es gibt hier auch

eine Anzahl sehr geschmackvoller Stücke in gemaltem Glas, Fayence und in Schmiedeeisen.

 Die Holzschnitzereien von Bigot, Sandoz und Le Bourgeois sind sämtlich ungemein

sympathischer Natur. Auf dem Gebiet weiblicher Handarbeiten bleibt Madame Ory-Robin

die bemerkenswerteste Künstlerin. Th. de Kulmer
            
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