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Full text: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 4)

Jahre in Meißen tätig, be- 
vor er die Leitung in Ber- 
lin übernahm und hier ein 
so selbständiges, jeden 
fremden Einiiuß zurück- 
weisendes Regiment führ- 
te, daß es andern Bild- 
hauern kaum möglich 
war, sich neben ihm zu 
behaupten. Meyers Ei- 
genart spricht sich in 
einem lebhaft bewegten 
Umriß der Figuren aus, 
die er durch eine ge- 
wohnheitsmäßig wieder- 
holte Körperhaltung er- 
reicht. Ab und zu ver- 
schwindet aber seine 
Manieriertheit, und dann 
zeichnen sich seine Mo- 
delle durch ungezierte 
Einfachheit, Unmittelbar- 
keit der Beobachtung und 
Geschlossenheit der Sil- 
houette aus. 
Eines seiner besten 
Modelle ist die hier abge- 
bildete, auf Wolken schwebende Venus, zu deren Füßen ein kleiner Amor 
ruht. Es ist eine Arbeit aus dem Jahre 1765. Kann man seinen gegen 
Ende der sechziger Jahre modellierten Figuren und noch mehr den 
späteren auch eine gewisse Leere nicht absprechen, so ist es doch 
sicher, daß das feine deutsche Rokoko in Berlin noch eine überraschende 
Nachblüte erlebt. Diese anerkennenswerten Leistungen gipfelten in dem 
großen Tafelservice für Katharina II. von Rußland, das der König für 
seine mächtige Verbündete bestellte. Für die Ausführung des iiguralen 
Tafelaufsatzes wurde der jüngere Bruder Meyers, Wilhelm Christian, ein 
Bildhauer, der in der Regel Arbeiten der Großplastik ausführte, heran- 
gezogen. Er hat auch sonst eine Reihe von Gruppen und Figuren 
modelliert, die sämtlich verwandtschaftliche Züge mit der französischen 
Rokokoplastik aufweisen. Namentlich was die satirischen Gruppen und 
die Berliner Straßenliguren betrifft, zeigt sich, daß er es auch versteht, 
sehr charakteristische lokale Züge zur Geltung zu bringen, wie zum 
Beispiel in der Gruppe der malenden Affen, mit ihren auf die Kunstrichtungen 
der Zeit gemünzten Anspielungen, in den Modeliguren und andern Zeit- 
 
Allegorische Gruppe : Die Vermählung des Dauphin mit Marie Antoinette 
von Österreich, Wilhelm Christian Meyer, x77o
	        
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