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Full text: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 5)

immer wieder ein Ereignis, welches sowohl von der gesamten Presse als vom Publikum 
eingehend besprochen wird. Es fällt uns heuer vor allem der Umstand auf, daß in der 
Disposition der Säle eine Änderung im günstigen Sinne vorgenommen wurde: die Malerei, 
die Skulptur und das Kunstgewerbe sind nicht mehr streng voneinander geschieden und 
in bestimmte Abteilungen verlegt. In den Sälen für die Bilder befinden sich da und dort in 
geschmackvoller Anordnung einige Vitrinen mit Kunstgegenständen und verschiedene 
Skulpturen in derselben Weise aufgestellt, wie dies in einem eleganten Interieur der Fall 
wäre. Das Arrangement des „Salon" ist auch diesmal von drei bekannten Künstlern 
angeordnet worden, den Herren Le Sidaner, Lucien Simon und Georges Picard. 
Vor allem ist man natürlich gespannt zu sehen, welche neuen Kunstwerke die 
Berühmtheiten der Welt beschert haben. Zuloaga ist jedenfalls einer von denjenigen, die 
am meisten Aufsehen erregen. Seine Arbeiten gehören zwar immer unstreitig in die 
Kategorie der Besten, doch hat der Künstler sich diesmal in bezug auf die Verwendung 
frischer lebhafter Farbenetfekte neue Probleme gestellt und dieselben glänzend gelöst, 
ohne hierbei etwas von den Qualitäten seiner früheren Manier einzubüßen. Jedes einzelne 
seiner Bilder müßte besprochen werden. Das größte „Toreaclors de Villages" zeigt uns 
eine Gruppe von jungen spanischen Stierfechtem, deren Kostüme eine prachtvolle Farben- 
harmonie bilden, im Hintergrund jene fabelhaüe spanische Landschaft, welche uns stets 
mehr als Phantasie wie als Wirklichkeit erscheint. 
Das Porträt „ein Kardinal" ist ebenso kühn in der Farbe, doch ist man hier vor 
allem von dem Gesichtsausdruck der Figuren gefesselt: der Kardinal und ein junger 
Priester, der hinter ihm steht. Im Bilde von Maurice Barres sehen wir den berühmten 
Autor, wie er von einer Anhöhe aus die Stadt Toledo mit träumerischen Blicken betrachtet. 
Zuloaga hat uns jedenfalls ein originelles Porträt von ihm geschaffen. Das vierte Werk 
Zuloagas schlägt ganz aus der gewohnten Art des Künstlers: „La Dame au Perroquet" ist 
eine nackte weibliche Figur inmitten einer prunkvollen Staffage; die Fleischtöne sind von 
so aufdringlicher, einheitlich rosiger Färbung, daß unsere Bewunderung hier ein wenig 
inne hält. 
Die Bilder von Meister Lucien Simon, in demselben Saal wie die soeben genannten, 
wirken nüchterner, in demselben Maß, wie eine französische Landschaft von einer 
spanischen abstechen würde. Das große Bild „le Quai" ist eine vorzügliche naturalistische 
Wiedergabe des Hafenlebens. 
Die großen Dekorationsstücke sind gottlob ziemlich selten, und keines davon gehört 
zu den besten Eindrücken, die dem Besucher bevorstehen. Von Meister Alfred Roll, dem 
ehrwürdigen Präsidenten der Nationalgesellschaft, sollte man eigentlich nur Gutes sagen, 
eine Höflichkeit, die dem Künstler von sämtlichen Pariser Kritikern erwiesen wird. Die 
Deckenmalerei „Poesie-Drame", für das „Petit-Palais des Charnps Elysees" bestimmt, ist 
in den Farben matt und harmonisch: grau, lichtviolett und blau. In die Betrachtung der 
einzelnen Figuren und ein Entziffern der Gedanken, welche sie verkörpern, soll man sich 
lieber nicht einlassen. Weerts, von dem wir bisher nur Porträte in kleinem Format kannten, 
liefert auf einmal ein riesiges Wandgemälde, welches ein historisches Ereignis aus dem 
Mittelalter mit vielen Figuren vorstellt. Die Entschuldigung für einen so großen Aufwand 
an Fleiß liegt darin, daß das Bild vom Gemeinderat von Roubaix für das dortige Rathaus 
bestellt wurde. 
Für einen ähnlichen Zweck malte Montenard ein Weinlesebild aus Südfrankreich, 
welches in Toulon einen dauernden Aufenthalt finden wird. Zu erwähnen, und zwar im 
lebenden Sinne, ist das große Wandgemälde „l'Effort humain" von Armand Point. Dieses 
Werk enthält zirka 30 gut gruppierte nackte Figuren und erinnert stark in der Manier an 
die italienische Renaissancezeit. Der Gesamteindruck bleibt jedoch trotz der meisterhaften 
Ausführung ziemlich verworren, unsere moderne Auffassung steht ihm fremd gegenüber. 
Zu denjenigen Künstlern, welche am meisten Raum einnehmen, gehören noch 
Maurice Denis mit einer Serie von sechs dekorativen Panneaux (nautische Spiele mit
	        
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