ins Treffen führen können. Aber damit wäre er freilich auf das unerwünscht
frühe Datum 1498 gekommen. Im übrigen begegnen wir diesen verführerischen
Säulenmotiven nirgends im Gebiete der fränkischen oder schwäbischen
Kunst, weder in der Plastik, noch in der Malerei, noch in der Graphik,
geschweige in der Architektur. Es sind lombardische, Comaskenmotive, die,
wie ich schon früher erwähnte, in der südtirolischen Malerei des XIV. und
XV. Jahrhunderts, namentlich an den dünnen, luftigen Tempel- und Thronbauten
im Schwunge waren. Sonst sucht man vergebens nach ihnen.
Auch meine eingehend belegten Einwendungen hinsichtlich der zeitlichen
Stellung der Rüstungen der Georgs- und Floriansi-iguren zu Dürers
Albertina-Zeichnung des Reiters von 1498 schiebt Ubell wieder mit der
einfachen, jeder sachlichen Begründung entbehrenden Behauptung beiseite,
daß die Rüstung des Reiters und des heiligen Georg „in allem wesentlichen
vollständig übereinstimme". Sachlicher wäre es nun meines Erachtens
gewesen, meine waffengeschichtlichen Kriterien für den entschieden älteren
Typus der Kefermarkter Rüstungen durch Belege zu entkräften, als sich zu
der wenig geschmackvollen Äußerung zu versteigen: „Schließlich ist ein
Unterschied zwischen einem Altar und einem Modejournal." Eine ernste,
sachliche Stilkritik wird eben stets auch solchen kostümgeschichtlichen
Einzelfragen nicht aus dem Wege gehen dürfen, zumal es sich bei dem
horizontal geschobenen Beinzeug - wohlverstanden nicht etwa Beintaschen
- und dem hochgezogenen Brechrand der Achseln auf Dürers Zeichnung
um wesentliche Neuerungen handelt. Es heißt aber die Tatsachen und ihre
Bedeutung völlig verkennen, wenn man bei diesen Änderungen - um mit
Ubell zu reden - nur von Modeneuheiten sprechen wollte. Hier handelte es
sich um praktische, für die Umbildung des gotischen zum Renaissanceharnisch
sehr bezeichnende fortschrittliche Neuerungen, von denen bei den
Kefermarkter Figuren auch noch nicht der geringste Ansatz zu verspüren ist.
Wenn Ubell also Dürers Zeichnung von 1498 ins Treffen führt, so beweist
er für den objektiv Abwägenden nur, daß der Typ der Kefermarkter
Rüstungen der ältere und für die forcierte Datierung 1505 bis 1510 unmöglich
ist. Warum geht er denn den Namensvettern der Kefermarkter Ritterheiligen,
den Prachttiguren am Altar in St. Wolfgang (1471 bis 1481)? aus dem Wege,
deren Rüstungen mit jenen doch weit mehr gemein haben, als die Dürersche
Zeichnung?! Liegt es denn nicht auch viel näher, Plastik mit Plastik zu vergleichen,
und noch dazu gerade hier, wo das eine Werk als eine Konkurrenz
des andern geschaffen wurde?!
Und endlich noch eine Antwort auf Ubells Frage, die er mit Hinblick
auf die fünf „eigenhändigen" Schnitzwerke am Kefermarkter Altar (die drei
Statuen im Schrein und die Statuen Georgs und Florians) stellt: „Wer in
Deutschland um und nach 1500 hatte eine derartige Virtuosität des Schnitz-"
Friedrich W015, Michael Facher, l, Berlin xgog, Tafel 3x und 32, - juiius Leisching, Figurilg 1-1911.
plnstik, II, Wien, Tafel 81-93. - Zur richtigen Würdigung der technischen Vorzüge des Altars empfehle ich
die einschlägigen Stellen bei Semper, Michael und Friedrich Facher, Eßlingen lgu, S. 264 ff.