Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 5)

Die Verbreitung der Schwarzlotmalerei nicht nur auf farblosem sondern

auch auf farbigem Glase ist untrennbar von der Entwicklung des Details,

der Modellierung und damit des Realismus im Sinne der Tafelmalerei.

Beide bedingen sich; der erweiterte Gesichtskreis zwang die Glasmaler zur

Erweiterung der Technik (zum Beispiel auch auf dem Gebiet des Überfangglases,

 des Herausschleifens und Herausradierens), und diese wiederum

stärkte das Bestreben, es den Tafelmalern gleich zu tun. Während nun

diese in der Lasurmalerei, welche Hubert van Eyck und andere vervollkommneten,

 ein überlegenes Mittel zur Darstellung der neuentdeckten Natur

in die Hand bekam und mit dem Umfang ihrer Täfelchen bis zu den

Miniaturformaten mancher Gemälde ]ans herunterzugehen vermochte, war

das Ergebnis des Wettstreites nicht durchweg erfreulich für die Glasmalerei.

Nimmt man die Kabinettscheiben aus, deren Entstehung aber erst in das

Ende des XV. Jahrhunderts fällt, und die auf nahe Besichtigung berechnet

waren, so ist in dem Schwinden des Maßstabes und in der Ausführlichkeit

der Wirklichkeitsdarstellung bei den Glasscheiben seit Ende des XIV. Jahrhunderts

 in der Tat etwas wie Degeneration zu entdecken; ein Abirren von

dem unzweifelhaft für sie vorgeschriebenen Monumentalstil. Das Beispiel

der Karlsteiner Kreuzigung bedeutet nur eine Ouvertüre. Die Verbürgerlichung

 und Verniedlichung in der edlen Glaskunst findet namentlich in der

Kölner Schule ein endloses Feld der Betätigung; wenigstens tritt sie hier

am sichtbarsten in der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts hervor und in

engstem Zusammenhang mit den bekannten Meistern, von denen Stephan

Lochner jetzt, wie vorher Wynrich von Wesel, die leitende Stellung zukommt.

 Da auch der reiche Farbenglanz der gotischen Zeit einer sparsamen

Skala von Tönen gewichen ist, so machen die Glasbilder oft einen recht

kleinlichen Eindruck; etwa so wie die spießigen und gedrängten Schergenhaufen

 der Wolgemut, Schüchlin, Zeitblom und derartiger Geister. Sie

Finden sich fast ausschließlich in öffentlichen und privaten Sammlungen,

wo man sie aus der notwendigen Nähe betrachten kann. Die wertvollsten

entstammen der Bopparder Karmeliterkirche von x4oo bis 1440 und sind in

alle Winde zerstreut.

Die österreichischen Schulen des XV. jahrhunderts, deren Mittelpunkte

wohl in Wien und Salzburg zu suchen sind, haben namentlich in kleineren

Kirchen, wie zum Beispiel in Leoben, Weiten, Friedersbach, St. Leonhard in

Tamsweg, stattliche Fenster hinterlassen. Aber ihre Einteilung ist einförmig

und bleibt sich überall gleich. Es sind Einzelgestalten und Szenen in angedeuteten

 Baldachinen, die simpel übereinander gestellt sind, wie Bilderreihen.

Dagegen hat der Realismus profaner ritterlicher Darstellung, die in den

köstlichen Fresken von Runkelstein bei Bozen (139 r) und Terlan so naive

Schilderungen weltlicher Lebensfreude hervorgebracht hat, auch auf das

Glasbild abgefärbt. Es handelt sich naturgemäß um Stifterscheiben, deren

eindrucksvollste wohl die des Herzogs Albrecht von Österreich und seiner

zwei Frauen von etwa 1390 im Linzer Museum ist.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.