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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 5)

tähigen Gebiet wird seine fördernde und anregende Wirkung auf weitere Kreise sicher

nicht verfehlen.

EUORDNUNG DER KAISERLICHEN GEMALDEGALERIE. Unter

den öientlichen Sammlungen welche, wenn auch in beschränktem Umfange, doch

wieder allgemein zugänglich werden, nehmen die Hofmuseen eine hervorragende Stellung

ein. Besonders die Gemäldegalerie bietet durch die nunmehr vollendete Neuaufstellung der

alten Meister im ersten Stockwerk einen erhöhten Genuß. Die großen Säle haben durch

den weißen Friesstreifen unter der plastischen Hohlkehle eine Vermehrung der Lichtwirkung

 und durch die glücklich gewählte Stoffspannung darunter einen intensiven

Zusammenschluß der Wandflächen erhalten. Dort, wo die mächtigen Dimensionen und

die kräftige dekorative Wirkung der Kunstwerke, wie in den Rubens-Sälen, ganze Wände

durch wenige Bilder beherrschen, ist der Beschauer von den Hauptwerken so gefesselt,

wie dies wohl nur der ursprüngliche architektonische Rahmen in den iiämischen Kirchen in

ähnlichem oder höherem Maße vollbringen konnte.

Aber auch die zweireihige Anordnung vermag noch jedem einzelnen Bilde gerecht

zu werden, und die gute Verteilung der künstlerisch wichtigsten Werke an den günstigsten

Wandstellen vermehrt die Übersichtlichkeit und Eindringlichkeit.

Ganz besonders kommt aber die sorgfältige Sichtung, die Betonung künstlerischer

Werte in der Hängung, die mattgrüne oder blaugraue Wandtonung den intimeren Kunstwerken

 zugute. Gerade sie leiden am stärksten unter der Häufung und sind nun in den

vielen Kabinetten durch die günstigste Vorführung zu Quellen unerschöpflichen Genusses

geworden. J eder neue Besuch bringt neue Entdeckungen; der reiche Schatz an bedeutenden

holländischen und Bämischen Werken kommt nun in einer Weise zur Geltung, die sie als

einen Hauptbestandteil der kaiserlichen Galerie hervortreten läßt. So ist die erfreuliche

Aktion, die im Vorjahre den Italienern, Spaniern und Deutschen besonders zugute kam,

nun auch den prächtigen nordischen Künstlern gerecht geworden, welche den germanischen

Völkern und ihren Stammverwandten nahe stehen.

Es ist damit nicht nur den alten Verehrern dieser Bilderfolgen ein äußerst wertvoller

Dienst geleistet, es ist für das Verständnis der Künstler, für ihre nachhaltige Wirkung auf

weite Kreise unendlich viel damit getan worden.

Alle jene Bilder, die für den Schmuck der Wand im Bürgerhause oder im Adelspalast

bestimmt waren, also besonders Porträte, Interieurs und Landschaften verlangen ähnliche

Beleuchtungsverhältnisse und jene tieftonige farbige Umgebung, verlangen Augenhöhe

und jene liebevolle Beachtung der Umgebung, welche der Kunstfreund seinen Schätzen,

der Baukünstler seinen Schmuckstücken angedeihen läßt.

Die neue Aufhängung gewährt Bedingungen, welche oft ganz ausgezeichnet genannt

werden müssen und sich in glücklichster Weise jenen Verhältnissen nähern, die von den

Küntlem selbst im Auge behalten wurden. Und dabei ist der l-Iauptnachteil größerer

Sammlungen, der Ablenkung und Zerstreuung durch das Übermaß des Gebotenen, sehr

wirkungsvoll entgegengearbeitet.

l Die Sammlung des Beschauers wird nicht beeinträchtigt, zugleich verstärkt die

Reihung einheitlicher Bilderfolgen wie zum Beispiel der herrlichen Brueghel oder Canalettos,

das glänzende Hervortreten einer starken persönlichen Eigenart.

S0 wurde auch der speziellen Stärke gewisser Teile des Sammlungsbestandes durch

Zusammenschluß des innerlich Verwandten vielfach Rechnung getragen und alle diejenigen,

welche die Museen betreten, um künstlerische Persönlichkeiten zu studieren, werden nunmehr

 leicht und sicher zu ihrem Ziele geführt. Zugleich tritt ganz deutlich in Erscheinung,

wie viele große Künstler in dieser Galerie glänzend und erschöpfend repräsentiert sind -

andrerseits aber auch, auf wie viele hervorragende Meister der Vergangenheit die Kunstliebe

 österreichischer Herrscher und Prinzen fördernd eingewirkt hat.
            
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