MAK

Full text: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 5)

Zu den frühlingshaften Wiesenkleidem würden aber auch recht lieblich die artigen 
Strohhüte mit den von Franziska Bruck gebundenen Kränzen passen. Diese feine nach- 
schaffende Künstlerin des Stillebens rnit natürlichen Mitteln hat hier die bescheidenen 
„Kinder der Flur", Mimosen, Tausendschönchen, Strohblumen, rote und schwarze Beeren 
zu farbig schattierten Gewinden locker schwank geknüpft. Die Kränzlein schlingen sich um 
lustige stroherne „l-Iütel": in Topfform makkaronigelb, aus Fasergeilecht, zeltartig, gleich 
einer „indischen Hütte", an Paul und Virginie gernahnend. Dann gibt es „Kiepen" aus 
dickgrobem Gestängel sehr gemäß mit lila und stahlblau schimmernden Stacheldisteln 
umwunden für den Küstenpfad auf dem Ebbestreifen. Für die Früh zwischen den Garben 
am Rain aber bietet sich die Florentiner Wippe mit Margueriten und Bindebändern. 
Felix Poppenberg 
ERKBUND-ERNTE. Nun trat auch der Deutsche Werkbund auf den Plan. 
Unter seiner volkswirtschaftlichen und künstlerisch kritischen Vormundschaft 
stellten die ersten Berliner Modefirmen ihre zum erstenmal auf heimischem Boden im 
Eigenbau erwachsenen Modefrüchte aus. Die gesellschaftliche Abstempelung gab die 
Anwesenheit des Hofes und das Protektorat der Kronprinzessin bei dieser Schau. Der Ort 
der Tat war das Abgeordnetenhaus und dadurch sprach sich aus, was ja bei allen 
Besprechungen dieser Sache immer wieder ausdrücklich betont wurde, daß es sich mit 
diesen Bestrebungen nicht um Eitelkeitständelei in ernster Zeit handelt, sondern um 
einen Kampf für industrielle Unabhängigkeit, also um eine Vaterländische politische 
Angelegenheit. 
Daß über dem tieferen nationalökonomischen Kern das gefällige Wesen und der 
heitere Schein, die nun einmal zum Spiel der Mode untrennbar gehören, wenn sie siegen 
will, nicht vergessen wurde, dafür sorgte die geschmackvolle Regie der Veranstaltung 
durch Lilly Reich und Lucian Bernhardt. Von einem Rundpodium senkten sich links 
und rechts schmale niedrige Laufstege, die Ränder von Blüten eingefaßt und von großen 
Baldachin-Lichtschirmen überdacht - ein Blumenpfad. Auf ihm wandelten die zierlichen 
Figurinen vorüber, ein reizvoll lebendiges Bild, noch besonderer dadurch, daß sie die 
hübschesten Kinder an der Hand führten und damit ungezwungen und anmutig die Kleidung 
für unsere Kleinen zeigten, oft recht drollige putzige Kittelchen. 
Eine jede trug auch Blumen im Arm. Und diese Zier hatte - ein bestrickender 
Einfall - gleichzeitig die Geltung einer Blumensprache. Diese wechselnden Strauße 
dienten nämlich nach den deutenden Angaben des Verzeichnisses der Aussteller als Wahr- 
zeichen der Firmen. Also zum Beispiel Azalee für das Haus Alfred-Marie, Nelken für 
Mannheimer, Anemonen für Hermann Hoffmann, rote Rosen für Gerson und so weiter. 
Es wäre zu ermüdend, rückblickend auf die Einzelheiten dieses über zwei Stunden 
währenden Ausstattungsstückes einzugehen. Ich muß mich auf allgemeinere Züge und 
einige persönliche Eindrücke beschränken. Das Wichtigste bleibt, daß diese deutsche Arbeit 
zukunftsvoll und fruchtbar wirkt. Sie hält sich vom Spielligen ebenso fern wie von der 
Entartung ins grell Auffallende. Einige Gegenbeispiele, brettlhaft und von der geschminkten 
Phantastik verilossener Tausend und einer Nacht im „Palais de Danse", werden durch 
gesunde Auslese von selbst in die Versenkung gleiten. 
In Form und Schnitt zeigt sich manch guter Gedanke. Als ungünstig muß aber gleich 
ein hier häufiger vorkommendes Motiv abgelehnt werden. Aus der primitiven Rockauf- 
schürzung der Waschweiber und Bauernfrauen scheint der bauschige Wulstkranz 
entstanden, der entstellend den Unterkörper manchen Rockes umzieht. Trotz seiner 
Rundung kann er kaum als ein „Rettungsring" für das von ihm verschandelte Kostüm 
angesprochen werden. 
Sehr dankbar dagegen erweisen sich die neuen Formen der losen Jacken, auf dem 
Rücken capeartig locker faltig, abgerundet hängend, dann die welligen Sweaterformen, 
variiert durch seitliche Schnürung in der Taillengegend. Die Schöße pendeln häufig tütig.
	        

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