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Full text: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 5)

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völlig den Ausschlag geben. 
Aber selbst in diesen Gemälden 
auf Glas bestimmen die Schran- 
ken der Technik in erheblichem 
Maße das Aussehen, so daß 
selbst einem Laien in der 
farblosen Wiedergabe sofort 
der Unterschied zwischen einem 
Tafelgemälde und einer Glas- 
scheibe in die Augen springen 
wird. 
Daß schon die Römer far- 
bige Verglasung kannten, ist 
durch Funde in Rom und Pom- 
peji erwiesen, und daß diese 
antike Erbschaft von Byzanz 
(wo sie zum Beispiel die I-Iagia 
Sophia schmückt) und Ravenna 
her ins merowingischeFranken- 
reich eindrang, steht außer 
durch literarische Zeugnisse fest 
durch ein Fenster, das Pilloy 
x872 in Sery-les-Mezieres (an 
der Aisne) gefunden hat. Diese 
Fenster byzantinischen Stils 
waren aber, wie die der Römer 
(und der Araber), rein ornamen- 
tal. Der Gedanke, bildliche Dar- 
stellungen mit diesem profanen 
Material zu verbinden, lag zu- 
nächst sehr fern und mag 
phantastisch genug geklungen 
haben. Er war auch dem phan- 
tasiegewaltigen jugendlichen 
Volk der Deutschen vorbehal- 
ten, der Karolingerzeit, und 
dem technischen Fortschritt in 
der Verglasung. Wann und wo 
aber die figürlichen Fenster er- 
St. Ursula aus St. Kunibert in Köln, Mitte des XIII. Jahrhunderts 
(nach I-IeinersdorFf) 
funden sind ä wahrscheinlich in Benediktinerklöstern - ist nicht mehr 
auszumachen. Tatsache ist, daß die ältesten Fenster die fünf im Augsburger 
Dom mit Prophetengestalten im Jahre 1065 entstandenen sind und daß ihr 
Stil der strenge frühromanische ist, der in Weiterbildung der Regensburger 
Buchmalerei die byzantinisch lineare Starrheit zur Grundlage hat. Schon bei
	        
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