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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 6)

stark von unserem Egger-Lienz beeinflußt sind, Kompositionen von Artur Kampf und Hans

Baluschek und so weiter.

Das süddeutsche Gegenstück zu diesen Künstleriiugblättern sind die „Kriegsbilderbogen

 Münchener Künstler", farbige Lithographien, in denen sich die radikalste junge

Künstlergruppe Münchens zu Worte meldet. Hier erscheinen die Formeln des Expressionismus

 auf das Kriegsthema in einer Weise angewendet, die ein allgemeines bedenkliches

Kopfschütteln des großen Publikums erregt hat, und der nur die unbedingten theoretischen

Gefolgschafter jener Gruppe Beifall spenden. Das gleiche gilt von dem Zyklus farbiger

Lithographien „1gr4" von Rene Beeh, denen man aber auf keinen Fall eine vollständige

Beherrschung der Bewegungsmotive und geistreiche Lösungen des Raumproblems absprechen

 kann. Beeh, ein Elsässer, entnimmt die Gegenstände zu seinen Schilderungen mit

Vorliebe der französischen Soldatenwelt. „Krieg und Kunst" betiteln sich die farbigen

Originalsteinzeichnungen der Berliner Sezession, die im Verlag Julius Bard erschienen

sind. Lovis Corinth, Finetti, Oppler, Pottner, Klossowski und andere, meist im Banne

Slevogts stehende Maler sind die beitragenden Künstler. Realistisches wie etwa eine glänzende

 Darstellung belgischer Franktireurs wechselt mitSymbolischem wie „Thors Schatten"

von Pottner: Der alte Germanengott fährt im Viergespann durch die wolkendurchsegelten

Lüfte, und der Schatten seiner Pferde greift wie eine krallende Riesenhand über die Kreidefelsen

 der englischen Küste.

Zu dem Riskiertesten, was die deutsche Steinzeichnung aus Anlall des Weltkrieges

produziert hat, gehören die Lithographien von Willi Geiger in München; vor allem sein

großer Zyklus „Unseren Helden 1914.". Es ist kein Zweifel, daß Geiger viel kann, er hat es

in früheren Arbeiten bewiesen. In seinem neuesten Zyklus aber ist es dem Künstler gar nicht

mehr um die Nachahmung der Wirklichkeit zu tun. Er entnimmt der realen Anschauungswelt

 sozusagen nur die Motive, die er frei behandelt und in einer eher musikalisch zu

nennenden Form aneinanderfügt. So kehrt in diesem seinem Zyklus das Motiv des

trauemd in sich zusarnmengesunkenen Körpers leitmotivisch wieder und ist bald auf einen

Schlummernden und Müden, bald auf einen Sterbenden oder Gefallenen, bald wieder auf

Trauernde und Klagende angewandt. lnnigkeit der Empfindung und der Komposition ist

diesen seltsamen Zeichnungen nicht abzusprechen, die allerdings jede Brücke zum

Realismus abgebrochen haben und mit dem körperlichen Material ebenso frei schalten

wie etwa die omamentale Kunst Japans. Geiger hat seinen Zyklus dem Andenken seines

in Frankreich gefallenen Bruders gewidmet; ein anderes völlig ornamental exnpfundenes

Gedenkblatt von ihm heißt „An die Pferde".

Vorwiegend mit den Schrecknissen des Krieges beschäftigen sich die zehn Steinzeichnungen

 von Hermann Ebers „Die Opfer". Der Transport von Verwundeten auf einem

Leiterwagen, ein dicht angefülltes Lazarett, die Qualen schwerverwundeter deutscher und

französischer Soldaten, die Tätigkeit der Feldpriester und der Wärterinnen ist hier in einer

Weise geschildert, die dem Grauenhaften nicht aus dem Wege geht und technisch bald an

die Brutalität Corinths, bald an gute französische Vorbilder aus den vierziger Jahren des

XIX. Jahrhunderts, etwa an die Steinzeichnungen von Daumier, erinnert.

In dieselbe Kerbe schlägt Erich Thum mit seinem lithographischen Zyklus „Hinter den

Heeren". Er sucht den Effekt großzügiger energischer Fleckenverteilungen, starker Kontraste

 der dunklen und hellen Flächen. Die derb zupackende, aufs wuchtig Ornamentale

ausgehende Manier entspricht dem Stoffe dieser Darstellungen, die sich mit dem traurigen

Trott endloser Flüchtlingszüge über pappelbesetzte Landstraßen, mit dem Jammer der

Verarmten und der Tätigkeit der Sanitätssoldaten auf dem Schlachtfelde beschäftigen. Eines

der furchtbarsten Blätter ist jenes, welches die nächtliche Tätigkeit der Schlachtfeldhyänen

vorführt. Inhaltlich wie technisch ähnlich gestimmt ist der große Zyklus von Edmund

SchaeEer „Im Zeichen des Krieges", wie denn zu sagen ist, daß die modernste deutsche

Graphik, die vorwiegend auf den groben Effekt losgeht und lieber das Häßliche übertreibt

als den alten Gesetzen formaler Schönheit auch nur die geringste Konzession macht,
            
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