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Full text: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 10)

_ gedachten heiligen Johannes angehören (Sammlung Ludolf, Höhe 2o'5 Zenti- 
meter), der mit erhobener Rechten klagend zum Erlöser aufblickt. Die 
überschlanken Proportionen und die edle Einfachheit des in langgezogenen 
Falten fließenden Gewandes, das die Formen des Körpers darunter weich 
hervortreten läßt, sind charakteristisch für jene Tendenzen der oberitalie- 
nischen Skulptur, welche dann in der Kunst unseres großen Barockplastikers 
als eine Art von „erstem Klassizis- 
mus" wieder auflebten (Abb. 20). 
Aus einer Alt-Linzer Patrizier- 
familie stammt der reichvergoldete 
und polychromierte Hausaltar (Höhe 
61'5 Zentimeter), der in von Ro- 
caillen reich umrahmtem Gehäuse 
auf blauem, goldgesterntem Grunde 
die Gestalt des Schmerzensmannes 
zeigt, der mit beiden Händen auf die 
Seitenwunde weist und von zwei auf 
Voluten des Rahmens knienden En- 
geln verehrt wird, während oben die 
an der Weltkugel lagernde Figur 
Gottvaters in Wolken erscheint, mit 
der Taube des heiligen Geistes, und 
zwei kleineren Engeln zur Seite. In 
dem Gehäuse unmittelbar über dem 
Boden sind, umgeben von Goldfili- 
granfäden und Perlen, allerlei Reli- 
quien und der Wachsabdruck eines 
Gnadenpfennigs mit dem heiligen 
Antonius verwahrt (Abb. 21). Das 
Ganze ist in seinem reichbewegten 
flackernden Umriß und in der prunk- 
vollen farbigen Erscheinung ein typi- 
scher Hausaltar aus der ersten Hälfte 
Abb 24 Johann Peter Schwanthaler derÄltere Pietä des  Jahrhunderts, wohl eine 
' ' Hochmienn Lindenhm ' ' LinzerArbeitundwahrscheinlich dem 
Kreise jener Bildhauer entstammend, 
die unter dem Salzburger Sebastian Stumpfenegger 1717 bis 1723 an der 
herrlichen Dreifaltigkeitssäule auf dem Linzer I-Iauptplatze tätig waren. 
Aus demselben alten Familienbesitz stammt "die reichbewegte poly- 
chromierte Figur des heiligen Sebastian (Höhe ohne Sockel 30 Zentimeter), 
deren pathetische Auffassung sich sogar der Silhouette des Stammes, an den 
der Pestheilige gebunden ist, mitzuteilen scheint (Abb. 22). Die vorzügliche 
Charakteristik des Moments, des vor den Pfeilen unwillkürlich zurück- 
weichenden Leibes, der beredten Sprache des klagend geöffneten Mundes
	        
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