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Full text: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 10)

neue Kräfte und eine besondere wirkungsvolle Ausdrucksweise hervorbrachte, lebt noch in 
der Erinnerung und läBt das Wiener Ergebnis als konservativ erscheinen. 
Hoffentlich wird auch bei uns der große Moment für die Baukunst freie Bahn schaffen, 
die bisher noch unter der starken Nachwirkung historischer und abgeschlossener Perioden 
bei uns zu leiden hatte. Als einen vorbereitenden Schritt kann man die Konkurrenz 
bezeichnen; die entscheidende Tat muß erst noch kommen. H. F. 
RIEGSBILDERAUSSTELLUNG DES K. UND K. KRIEGSPRESSE- 
QUARTIERS. Die Schaustellung von Bildern und Studien, welche im Wiener 
Künstlerhaus mehrere Säle füllt, erregt ein allgemeines Interesse. Mehr wie jemals zu 
Kriegszeiten sind alle Gemüter von den Ereignissen ergriffen und die abwartende Ruhe, 
welche die in der Heimat verbliebenen Künstler zur innerlichen Verarbeitung nötig haben, 
hat sich in der von Spannungen stärkster Art erfüllten Zeit noch nicht einfinden können. 
Indessen sind viele im Felde tätig gewesen: Künstler von Beruf und berufene 
Künstler; Offiziere, die Stift und Pinsel trefflich handhaben, sie sind überall, wo sie das 
Schicksal hinstellte, gefördert von der einsichtsvollen und rührigen Leitung des Kriegs- 
pressequartiers, ausgezeichnete und rege Beobachter gewesen. 
Lebendig und packend ist das Erlebte dargestellt worden; und wenn auch die 
erzählende und beschreibende Skizze, die rasch und vom Fieber des Augenblicks diktierte 
Notiz nur ein Skelett für künftigen Aufbau bietet: das künstlerische Leben äußert sich oft 
schon mit überraschender Kraft in ihnen. 
Es wäre falsch, diese Studien nur ihres Inhaltes wegen zu werten und sie nur als 
Illustrationen anzusehen. Es sind Blätter von solcher Geschlossenheit und Frische, von 
so bildhafter Wirkung vorhanden, daß sie an sich als abgeschlossene Kunstwerke zu 
werten sind. 
Klinger hat einst sehr schön den bedeutenden Wert der Graphik umschrieben und 
ihr Vorrecht, dem Ausdruck von Ideen zu dienen, betont. Die Graphik ist es auch, 
die mit prächtiger Lebendigkeit bereits den großen Ereignissen gefolgt ist und beson- 
ders im Deutschen Reich sind höchst interessante Arbeiten erschienen, die ohne viel Kon- 
vention geschaffen und mit mutigem Blick in die Zukunft auch künstlerischen Fortschritt 
bedeuten. 
Es ist noch nicht der Augenblick gekommen, um von der großen Kunst eine Stellung- 
nahme zum Kriege erwarten zu können. Daß aber die graphische Kunst und die Bild- 
studie so glücklich und fesselnd und so mannigfaltig auftreten, läBt für die Zukunft noch 
Bedeutendes erwarten. 
Je nach ihrer Art haben die graphischen Kriegsberichterstatter dem Einzelerlebnis wie 
den Gesamteindrücken großer Vorgänge, dem farbigen Ausdruck wie der zeichnerischen 
Beweglichkeit, der Stimmung in Atmosphäre und Landschaft wie der Erregung mensch- 
licher Leidenschaft Ausdruck gegeben. 
Das lebendige, aufregende Schauen sowie der Zwang zur raschen Niederschrift 
haben viele von jener lähmenden Routine befreit, die sonst zur Rücksichtsnahme auf 
Ausstellung und Publikum verleiteten. Ernüchtemd tritt dieser Umstand der Konvention 
nur bei den Malern offizieller Porträte auf, welche wohl auch im Kriegsgebiet weit von 
der Front blieben, - und bei solchen, die fertige Bilder heimbringen wollten. 
Dafür sind Studien und Skizzen da, die weit höher stehen als sonst die fertiggemalten 
großen Leinwanden der Ausstellungshelden. Wenn unsere Zeit leider so oft über die Studie 
und den glücklichen Wurf hinaus nicht zum fertigen, durchgebildeten Werk die Frische 
und Kraft des Impulses zu wahren vermag, so müssen wir uns um so mehr an den Studien 
erfreuen, die solche Kraft lebendig bewahren. 
Es ist eine echte und auch in künstlerischem Sinne berechtigte Genugtuung, die große 
Anteilnahme an diesen Blättern beobachten zu können, die weit von der gewöhnlichen 
Ausstellungsneugier entfernt bleibt.
	        

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