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MAK

Full text : Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 3 und 4)

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Westen und Norden Europas drang. Frankreich und England haben zuerst

jenen romantisch-sentimentalen Neigungen nachgegeben, die eine naturalistische

 Auffassung des Gartens bewirkten und deren Nachwirkungen auf den

Kontinent so heftig und so nachteilig waren. Leider haben wir die Auswüchse

dieser Bewegung noch immer nicht überwunden.

Aus der historischen Folge ist sehr deutlich erkennbar, wie rasch die

naturalistische Gartenbewegung jede künstlerische Führung verlor und wie

sehr sie auf Abwege geriet.

Schon daß man die Gartenkunst in der sentimentalen Periode der

„Malerei" anschloß und von der Architektur trennte, also einen Gegensatz

zwischen Bauwerk und Garten begünstigte, kennzeichnet die falsche Richtung;

 sie führte zu einer schädlichen Rückwirkung auf die Baukunst selbst,

die durch malerische Prinzipien abgelenkt wurde.

Nicht von innen heraus, "aus großen klaren Grundsätzen einheitlicher

Disposition wurde geschaffen, sondern mit Rücksichtnahme auf spielerische

Detailwirkungen, die eine Naturparallele, eine Nachahmung von Zufälligkeiten

 abwechslungsreicher Art erstrebte. Es ist charakteristisch, daß die

Bewegung darin endete, daß Dilettanten den Künstler verdrängten und daß

Empündsamkeit die Disziplin ersetzen mußte.

Wenn noch Schiller „eine mit Geist beseelte, durch Kunst exaltierte

Natur" im naturalistischen Garten erblickte, der ja anfänglich durch die

damals allgemeine Opposition gegen den despotischen Geist einer starren

Tradition gefördert wurde, so wandten sich doch bald die künstlerisch Hochstehenden

 von der beginnenden Verwilderung des Geschmackes ab. Goethe,

der anfänglich im Weimarer Schloßpark sentimentalen Einflüssen nachhing,

hat später im eigenen Garten die architektonischen Richtlinien wieder vorgezogen,

 die sich von selbst aus der einfach vornehmen Gestaltung seines

eigenen Wohnhauses ergaben.

Sicherlich ist der Gedanke richtig, daß bei räumlich ausgedehnten

Parkanlagen, in welchen natürliche Terrainbewegungen, Hügel, Wasserläufe,

 alter Baumbestand landschaftliche Bedeutung und Schönheitswerte

besitzen, dem Vorhandenen zu folgen ist und in Vegetation und Menschenwerk

 jene Steigerung des Vorhandenen zu bewirken ist, die vom menschliehen

 Schaffen stets erstrebt werden soll.

Das sind aber Grundsätze, die im freien Gelände, nicht aber in der unmittelbaren

 Nähe dominierender Gebäude angewendet werden sollen.

Der Hausgarten, der Schloßpark, der Stadtgarten werden stets ihre

Dominante im Bauwerk zu finden haben. Damit ist auch der Rahmen

gekennzeichnet, innerhalb dessen die fruchtbringende Nachwirkung historischer

 Gartenstudien einsetzen soll.

Auch in den weiteren und Schlußkapiteln des Gotheinschen Werkes

wird die Rückkehr zum alten Garten dargestellt, die gerade in jenen Ländern

hervortritt, wo die Förderung des naturalistischen Gartens begann. Man wurde

dort der bösen Geister bald Herr, die man gerufen hatte, während am Kon-
            
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