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Full text: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 7 und 8)

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Abb. 5. Kunslgewerbemuseum Bremen, zweite HÀlfte des XV. Jahrhunderts 
Spitzbogenmaßwerk. Das in Mandelschnitt gebildete Fialenblattwerk stellt, 
indem es energisch aus dem Brett herausgearbeitet ist, nurwieder eine engere 
Verbindung mit dem Möbelkörper her, die durch das Maßwerk schon leicht 
gelockert war. Neben dieser ausgeprÀgten Anlehnung an die Formen der 
Architektur kommt auch die leichte tektonische Sonderung von Seitenpfosten 
und Mittelbrett kaum zur Geltung. 
Der Typus dieser Truhe hat in seinen verschiedenen Ausbildungen in 
der mittelalterlichen Möbelkunst, auch in Frankreich und England, eine 
große Rolle gespielt. Es sei daher gestattet, ihn noch ein wenig ÃŒber das 
Gebiet unseres Themas hinaus zu verfolgen? Eine aus der Umgegend von 
Bremen stammende Truhenvorderwand im Bremer Kunstgewerbemuseum 
(Abb. 5)" gleicht mit ihrem reichen Maßwerk und Fischblasenwerk völlig 
der Wandarkatur eines gotischen Domes. Dicht gedrÀngt, sodaß vom Grund 
nichts mehr sichtbar bleibt, streben die Spitzbogen gegen die stark rotierenden 
Rosetten an, und darÌber hinaus flammt das Blattwerk weiter aufwÀrts, als 
ob das Omament sogar die tektonische Begrenzung der oberen Abschlußleiste 
durchbrechen wollte. An diesem Werk wird uns auch die Verwandtschaft 
dieser Gruppe von Truhen mit dem Schnitzwerk der gotischen AltÀre deutlich. 
Den weiteren Fortgang der Entwicklung wÃŒrde eine aus der Gegend 
von LÃŒneburg stammende Truhe des Hamburger Museumsih" bezeichnen. 
Das Ornament ist hier mehr beruhigt, und in der ausgesprochenen 
Sonderung von Grund und Muster klingt bereits der Geist der Renaissance 
leise an. 
Dagegen ist ein Àlteres Stadium dieses Typus vertreten in einer noch 
dem Ende des XIV. Jahrhunderts angehörenden Truhe des Kölner Kunst- 
' Mit anderen Beispielen tat dies, ebenfalls von dieser Truhe ausgehend, bereits B. Olsen in Tidskrift {er 
KunsunglisÀii iazigtagliidligsglixemplar befindet sich im Kopenhagener Museum. 
4'" Vgl. die Abbildung in Brinckmanns "FÃŒhrer" (1894), S. 635. 
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