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Full text: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 1 und 2)

Zu den Drucken 
mit„Deck-Reservage" 
gehörte vor allem der 
„Blaudruck".Der hier- 
zu benötigte dickflüssi- 
ge „Papp" (die eigent- 
liche Reservage oder 
Ton-Reservage) be- 
stand nach Keeß zur 
Hauptsache gewöhn- 
lich ausBergkreide und 
Gummi (zu gleichen 
Teilen), wozu geringe- 
re Mengen Stärke, Ter- 
pentin, Alaun, Kupfer- 
vitriol, Talg und Hau- 
senblase kamen; bis- 
Abb. 22. Aus einem Mustertuch der „K. K. Privil. Zitz- ä Canunfabrik Weilen wurde auch 
j. Silberer in (SGI. Christoph bei) CorT-iotau", 1818, wirkliche Größe (Öster- _ __ 
reichxsches Museum) Pfelfenton, Gfllnspafl 
und anderes in die Zu- 
sammensetzung gebracht. „Mit diesem Papp werden nun mittels der Formen 
alle Stellen vorgedruckt, welche auf dem blauen Grunde weiß erscheinen 
sollen, und wenn der Papp getrocknet ist, wird der Stoff in der kalten Küpe 
mehrmals eingetaucht und endlich der Papp wieder mit Wasser gut aus- 
gewaschen. Will man nebst dem weißen Dessein auch hellblaue Figuren auf 
dem dunklen Grunde erzeugen, so wird der Zeug nach dem ersten Pappdruck 
(dem Weißdruck) lichtblau ausgefärbt, dann abermahls der lichtblaue Dessein 
mit Papp vorgedruckt, und der Zeug endlich dunkelblau gefärbt." 
Obwohl das Deckverfahren, wie bereits gesagt," in die Antike zurück- 
reicht, so darf doch angenommen werden," daß die neuere Verwendung 
in Europa auf die Nachahmung östlicher Arbeiten, insbesondere des 
ursprünglich indischen Wachsdeckverfahrens, zurückgeht. Denn die mittel- 
alterlichen, früher angeführten, europäischen Quellen über den Stoffdruck 
enthalten keine Andeutung davon. 
Auch der ehemals übliche Name „Porzellandruckw deutet auf den 
ferneren Osten hin; denn die dorther kommenden Stoffe waren zum großen 
Teile mit Indigoblau gefärbt und daher den damals vorherrschend blauen 
chinesischen Porzellanen vergleichbar. 
Sicher kamen bereits im Mittelalter - wenn nicht schon im Altertum 
_ bedruckte und bemalte Stoffe aus Ostasien und Indien nach Europa"; 
 
x Siehe auch Depierre, Seite 9. 
i" So hören wir im Jahre 1380 im Verzeichnisse des Nachlasses Karls V. von Frankreich: „z draps qui 
sont de cendal jaune, de quoy l'un est paint ä chasteaulx, ä rivieres er ä gens, par maniere d: mappemonde, 
er l'autre ä tesles et a oiseaulx." (Gay: „Glossaire archeologique", Seite 296, unter „Cendal".) Die Beschreibung 
dieses Stückes wird wohljeden Kenner derWebekunsr an ostasiatische Erzeugnisse erinnern.
	        
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