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Full text: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

Francheville, in Italien Francavilla genannt, zwei Muskelmänner ausführte, 
die sich einer großen Beliebtheit in den Künstlerateliers erfreutenf wird im 
Berliner Museum eine Variante unseres Stückes vermutlich diesem Künstler 
zugeschrieben." Das Berliner Exemplar ruht mit dem rechten Fuß auf einem 
Baumstamm, auf den es auch die rechte Hand stützt, und ist mit einem 
Lendentuch umgürtet. Doch der nach aufwärts gerichtete Bewegungsdrang 
- ein von Giambologna mit seinem Merkur erfundenes Motiv - kommt 
an unserem Stücke bedeutend besser zur Geltung. 
Hier möchte ich eine Fortuna-Statuette (Abb. 22),"? die dem Motiv und 
der Behandlung nach in die nachgiambologneske, niederländisch-welsche 
Richtung gehört, anführen. Das Stück kommt, jedoch ohne die Krone, in 
der Sammlung Pierpont Morgan-Londoni- vor und Bode hat es als das Werk 
eines „italienischen Meisters der Spätrenaissance" bezeichnet. 
Der Stil Giambolognas fand, zugleich mit dem Manierismus Parmeg- 
gianinos, auch in Frankreich reichlichen Nährboden. Der von den Großen 
seiner Zeit viel umworbene Meister konnte noch am Ende seines Lebens 
das (während der Revolution zerstörte) Denkmal für Heinrich IV. auf der 
Place du Pont neuf in Paris entwerfen; seinem Lieblingsschüler Tacca war 
es beschieden, das Werk zu vollenden. Die Internationalisierung des giam- 
bolognesken Stils hatte dadurch ihren Höhepunkt erreicht. Während sich 
aber in Italien die Kunst mit raschen Schritten vorbereitete, den aus dem 
Manieristenkreis Neapels gekommenen, in Rom großgewordenen Lorenzo 
Bernini zu empfangen und damit einen neuen Abschnitt von weittragender 
Bedeutung in der Entwicklung einzuleiten, eroberte der formvollendete, 
jedoch in allen seinen Möglichkeiten ausgebeutete florentinische Manierismus 
vollends den Geist der französischen Hauptstadt. Das Akademisch-Glatte 
wurde nun hier Mode und erstarrte in den Dogmen einer höfischen Kunst, 
der erst das neue römische 
Barock und vor allem das Auf- 
wachsen von - nur verschlum- 
merten, nicht ausgestorbenen - 
gotischen Tendenzen frisches 
Leben und Entfaltungsmöglich- 
keiten brachte, aus welchen als 
Schlußeffekt das Rokoko sich 
gestaltete. 
"Baldinucci Opere, Mailand 1812, 
Band VIII, Seite 36:. j. von Schlosser, Aus der 
Bildnerwerkstatt der Renaissance, im jahr- 
buch der kunsthislorischen Sammlungen des 
Allerhöehsten Kaiserhauses, Band XXXI, 
Seite x28, Anmerkung 3. 
v" Goldschmidt, a. a. 0., Tafel 46, 
Nr. 165. 
"Ü Bronzestatuette, Höhe 22-5 Zenti- 
mgggy; gchwgfzgr Lack, Abb. 2B. Feldmarschall Fürst Schwarzenberg von Franz Anton 
1' Bode,Bronzestatuettemlll,CCLVI. Zauner 

	        
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