Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 3 und 4)

aqu

Dem Freunde des Kunstgewerbes wird das, was die Abbildungen und

der ausführliche Text über die Entwicklung der Truhenformen und das

Prinzip ihrer Verzierung an reicher Anschauung bieten, das Schubringsche

Werk über die Cassoni, das Anlaß und Stoff zu diesen Betrachtungen

gegeben hat, zu einer wichtigen Quelle der Belehrung und der Anregung

werden lassen.

Für das Studium des Kunstgewerbes wird die Verwendung von einzelnen

 Gattungen der Schmucktechnik, wie die Verzierung von Truhen in

Stuck, in pastiglia dorata oder carta pesta, Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit

 sein. Wichtig scheint mir hier der Hinweis auf die Entlehnung

des Schrnuckstils der Truhen Nr. 16 und 17 von der Leinenbildweberei.

Es mag hierbei auch auf die nahe stilistische Verwandtschaft dieser

Darstellungen mit denen auf der berühmten, mit aufgedruckten Szenen



Bemalxer Cassone, Florenz, um 1400 (London, Vicmria-Albert-Museum)

aus der Ödipussage und dergleichen verzierten Tapete von Sitten (jetzt

in den historischen Museen in Basel und Bern) aufmerksam gemacht

werden. Die Zusammengehörigkeit dieser auch wohl gleichzeitig (um 1400)

entstandenen Bilder ist für das Studium der Truhen wie für die des

Stoffdruckes und die Geschichte des frühen Holzschnittes gleich wichtig. Es

ist auch wohl denkbar - ob für den vorliegenden Fall zutreffend, könnte

erst eine genaue Untersuchung lehren -, daß gewebte oder bedruckte

Stoffe unmittelbar auf Truhenwände aufgespannt und als Untergrund und

Vorzeichnung für die Bemalung benützt worden seien, wie man ja auch in

einzelnen Fällen (siehe die Nummern 728 bis 731) in der Lombardei Truhen

mit aufgeklebten und dann bemalten Holzschnitten verziert hat.

Nebenbei möchte ich einen Zweifel aussprechen, ob die Bachgeschnittene,

 durch Vertiefen des Grundes neben der Zeichnung gewonnene

Schmuckform auf Truhen wirklich, wie Schubring Seite x 53 meint, aus dem

Norden (Tirol) sich in Venedig eingebürgert habe oder ob sie nicht vielmehr

auf eine Nachahmung orientalischer Vorbilder zurückzuführen sei. Die Ele-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.