MAK

Full text: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 5, 6 und 7)

rote und blaue Stellen wirken 
sofort mit, ohne daß uns diese 
Einzelheiten eigentlich zu Be- 
wußtsein kämen. Denn das Kenn- 
zeichnende ist eben das Aus- 
gleichen der verschiedenen Tö- 
nungen; es folgen zum Beispiele 
in den Akanthusranken blaue, 
rote und andere Farben - jede 
selbst wieder in mehrere Töne 
gespalten - unmittelbar aufein- 
ander, so daß sich im ganzen 
eine gewisse Buntheit ergibt, ge- 
mildert jedoch durch die Zartheit 
des Einzelnen und durch die 
Gegenwirkung des Verschiedenen. 
Dieser Reichtum an Farben er- 
laubt auch eine auf die höchste 
Stufe gebrachte naturalistische 
Färbung der Vögel, Früchte, 
Blumen, Blätter und anderen dar- 
gestellten Dinge. Wie etwa die 
Weintraube durch die schillernde 
Glasschale (in der Mitte von 
Abb. I) hindurchleuchtet, das 
kann auch vom Pinsel eines 
sehr vorgeschrittenen Malers kaum 
übertroffen werden. Die reichen 
Abb. 2. Wandbespannung, gestickt, HöheqMeter, Breite Blumensträuße sind übfigCUS alle 
"MMM" voneinander abweichend in den 
Einzelheiten gebildet. 
Zur ganzen Farbenhaltung stimmt die Vorliebe für marmorierte Vasen 
und für Grisaillen, die in einem Falle (Rundmedaillon der Abb. 2 auf 
dieser Seite) auch leichten farbigen Schimmer, gewissermaßen farbige 
Widerscheine, aufweisen. 
Von Einzelheiten mögen diese Kameendarstellungen noch besonders 
hervorgehoben sein. Gewiß wird der allgemeine Eindruck nicht durch sie 
bestimmt; denn man muß schon sehr genau zusehen, um das Gegenständliche 
zu erkennen. Für das Ganze sollen sie nur als Farbfiecke wirken und durch 
die Erinnerung an die Antike, die jener Zeit an sich schon Freude bereitete, 
wie gewisse Modewörter das Herz höher schlagen machen, mögen sie 
erscheinen wo immer. Und damals mußte ja sogar ein beliebtes Parfum den 
Namen „huile antique" führen. Zugleich kam die Farbenbeschränkung der 
Kamee dem Zeitgeschmacke entgegen. Wir können uns hier auch auf die
	        

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