MAK

fullscreen: Alte und Moderne Kunst XI (1966 / Heft 88)

kollegen zu erledigen hatte. Hilfreich fur seine 
stilistische Entwicklung war zweifellos seine 
bedeutende dichterische Begabung, die sich in 
..Parabeln" und epischen Zyklen in freier rhythe 
mischer Aussage offenbarte, Auch hier finden 
sich Ankerpunkte seines universellen Weltbildes. 
Verglichen mit den zeitlich vorangegangenen und 
alternierend entstandenen Graphiken will die 
,.Essentielle lrnagagrciphie" auf höherer geistiger 
Ebene eine vergrößerte und wesentlich verdichtete 
Aussage vermitteln. die vorn Beschauer eine 
intensivere geistige Aktivität verlangt. Reine Bilde 
sprache ahne ieden oberflächlichen Dekor in 
ernster. vibrierender Farbe. die ihre Dynamik 
einer starken Differenziertheit verdankt. wirkt 
auf den Beschauer. Das Erschaute will Bindeglied 
des Sichtbaren mit dem Unsichtbaren und ein 
Ausgleich des Begrenzten und Unbegrenzten 
sein. 
Die Bildsprache in Keppels Gemälden sagt suge 
gestiv aus: die Weltformung irn Weltgeschehen 
hat mit der Idee der Menschlichkeit begonnen. mit 
der Erkenntnis vom dynamisch Männlichen (er 
trügt den Stern ll'l't Handteller). vorn statisch 
 
Weiblichen. dem Ruhenden. dem Gebörenden 
(sie trägt den Granatapfel. uber sie wölbt sich 
aus dem unendlichen Blau ein Dach. eine Hütte). 
Diese Archetypen i einschließlich der göttlichen 
Zeichen und dem Kind 7 werden aufdie Einzel- 
existenz und auf die Vielzahl bezogen, auf eine 
Bruderschaft. wie sie das Christentum. die Lehre 
Buddhas und alle echten Religionen seit Jahre 
tausenden predigen. Auch der Eros, menschlich 
wie geistig 7 göttlich - erlebt. verbindet die 
ganze Menschheit. Der zeitgerechte Künstler hat 
die Stimme des Gesetzes. der alles eingeordnet 
ist. ans Licht. an das Denken der Menschen zu 
bringen. Keppels Gemälde der ..Essentietlen 
lrnagographie" sind keine Staffeleibilder: sie 
benötigen keine Rahmen. Sie sind bildhafte Medi- 
tationen monumentalen Charakters eines sich 
Versenkens. eines Ernporhebens aus dem schein- 
baren Nichts. Am eindringlichsten wirken sie in 
ihrer Gesamtheit. da sie Bildsprache eines geistigen 
Gesetzes sind. 
Professor Rudolf Heinz Keppel ist Träger des 
Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst und 
besitzt den Goldenen Lorbeer.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.