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Full text: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 10)

kommen und wie sie auf den Gemälden Giambellins, Cimas und Carpaccios 
nicht fehlen dürfen. Von der Kunst Tullios jedoch ist diese im Grunde 
noch gotisierende Holzgruppe nicht zeitlich, wohl aber stilistisch weit 
entfernt": 
Als ein besonders geeignetes Vergleichsobjekt sowohl für das Estensi- 
sche Relief wie auch für die zuletzt erwähnte Gruppe in der Sammlung 
von Auspitz möchte ich zum Schluß ein Marmorrelief unter dem rechten 
Ziborium der Basilika von Aquileja anführen, ein Werk des Bernardino di 
Antonio da Bissone, das in der Formensprache der Lombardi und vor allem 
in der Antonio Rizzos Christus als Schmerzensmann, von Maria und 
]ohannes betrauert, und zwei an den Seiten stehende, Spruchbänder haltende 
Engel darstellt (Abb. 12)3'"" Bernardino da Bissone, ein „Maestro Comacino" 
von Geburt, hat, wie so viele seiner Landsleute, seine künstlerische 
Erziehung in Venedig erhalten, wo er unter der Leitung Rizzos an der 
Ausschmückung der Scala dei Giganti im Dogenpalast zusammen mit jenem 
Domenico de Maffeis sich betätigte, mit dem er auch die Arbeiten am 
Presbyterium der Basilika von Aquileja ausführte. Die Ähnlichkeit mit 
dem Estensischen Relief braucht kaum besonders betont zu werden: die 
Nebeneinanderstellung dieser Stücke wird völlig genügen, um bei beiden 
den Abklatsch der Kunst Rizzos und der Lombardi feststellen zu können. 
Aber auch die beiden Engel sind in ihrer Art typische Gestalten der vene- 
zianischen Renaissance und der Vergleich mit den zwei den Leichnam 
Christi stützenden Engeln der Sammlung von Auspitz wird meine Bestim- 
mung bekräftigen. 
AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN S0 VON 
HARTWIG FISCHEL-WIEN 50' 
KÜNSTLERHAUS._ Eine Gruppe von Gedächtnisausstellungen Jüngstverstorbener 
und eine gedrängte Übersicht über das Schaffen eines fast Vergessenen bringt die 
Wiener Künstlergenossenschaft. Es mag gleich hervorgehoben werden, daß es die wenig 
bekannte Persönlichkeit Eduard Swobodas ist, die am meisten Anziehungskraft besitzt. 
Der Künstler (geb. x8x4, gest. xgoz) wirkte in der guten Zeit der vormärzlichen Wiener 
Kunst, stand mit Danhauser und Amerling in regem Verkehr und arbeitete noch in einer 
Zeit, die alle starken Erschütterungen der Jahrhundertwende verspürte. Er repräsentiert 
in den wenigen seiner zur Schau gestellten Arbeiten noch ganz den Geist jener Wiener 
Schule, die soviel vertieftes neben spielender Leichtigkeit, soviel Tüchtiges neben einer 
zeitgemäßen Beschränkung aufweist. Seine frühen Skizzen zu religiösen Fresken lassen 
fast noch die Traditionen der Kremser Schmidt-Periode erkennen; in seinen Hauptbildem, 
die leider nur ganz spärlich vorhanden sind, zeigt sich die liebenswürdige, tüchtige Kunst 
der Wiener Genremalerei, die bitter-süß, satyrisch und intim zugleich ist. Wie man nur in 
einem populären Witz der Politik nahekommen durfte, so hat nur das leicht verständliche 
" Eine ähnliche, vielleicht etwas ältere Gruppe mit derselben Darstellung im Kaiser Friedrich-Museum 
zu Berlin, Katalog Schottmilller, Nr. 288. 
"a Vgl. Folnesics-Planiscig, Bau- und Kunstdenkmale des Küsxenlandes, Wien, 1916, Tafel 16.
	        

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