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Full text: Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 10)

dann an die schöne von l-Ialder ausgeführte Monstranz in Mariazell, die auch beim 
Eucharistischen Kongreß in Wien in besonderer Verwendung stand, von anderen Werken 
hier zu schweigen. Professor l-loley und Juwelier Halder hatten bei der kirchlichen 
Ausstellung in Wien im Jahre 1912 durch Mitarbeit verschiedener Art besonders Gelegen- 
heit, ihre Erfahrungen zu bereichern. 
Wie glücklich der ganze Aufbau des neuen Werkes gelungen ist, zeigt die beigegebene 
Abbildung. Sehr eindrucksvoll und zugleich zweckmäßig ist der sichere Stand auf breiter 
Basis, wirkungsvoll das kräftige Emporschießen des Fußes, der seine Kraft unter dem 
Nodus noch einmal zusammenfaßt, um hier in reicheres Leben überzugehen. Von hier 
quellen dann die lebendigen Kräfte empor und umschließen hütend und tragend zugleich 
die wohlgeformte Cuppa. 
Überraschend ist das Nebeneinanderstellen schlichter und reicher Formen, plastischer 
und malerischer Lösungen. Aber es ist kein rohes Neben- oder Gegeneinandersetzen; 
sondern immer hat man das Gefühl, daß das Ganze von Geist beherrscht wird, und überall 
findet man einen Übergang, wenn oft auch in ungewohnter Weise. 
I-Ialder hat aus dem Entwurfe, der ihm in Zeichnungen und zum Teil in einem 
Modell Holeys vorlag, eine wahre Meisterleistung geschaffen, doppelt anerkennenswert 
in Anbetracht der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit und der Schwierigkeiten, die sich 
heute wohl überall zeigen. Jeder, der nur einmal mit solchen Arbeiten zu tun gehabt hat, 
weiß, wie weit der Weg auch vom besten und genauesten Entwürfe bis zum ausgeführten 
Werke noch ist. Da helfen nur wirkliche Erfahrungen und Fachkenntnisse, und wie oft 
muß noch im letzten Augenblick dies und das geändert werden; denn man hat eben auch 
hier überall mit der Tücke des Objektes zu kämpfen. Bei dem getriebenen und ziselierten 
Laubwerke kann schon eine Kleinigkeit zu viel oder zu wenig erheblich schaden und wie 
oft ist hier und dort eine kleine Verschiebung nötig. Die Steine (Rubine, Amethyste, Opale, 
Topase) kann nur ein geübter Kenner in ihrer Wirkung gegeneinander bemessen und durch 
Folien und andere Kunstgriffe zur vollen Geltung bringen. 
Eine besonders schwierige Sache mochten die drei Schmelzbilder sein: „Der gute 
Hirte" (als Sinnbild des Priestertums), „Der heilige Bernhard" (als der Ordensheilige) und 
die verbundenen Wappen des Stiftes Zwettl und des jubilierenden Abtes. In diesen 
Malereien, die in der Werkstätte von J. Souval gebrannt wurden, hat sich Dr. Holey im 
Verein mit Dr. Robert Eigenberger auch als Maler versucht. Es war ein kühnes Unter- 
nehmen, diese kräftigen Töne zu wagen; es ist aber nötig, sich auch hier wieder an 
gesunde Kraft zu gewöhnen. 
Alles in allem dürfen wir wohl sagen, daß die Arbeit allen Mitschaffenden zur Ehre 
gereicht, zum wenigsten nicht dem Empfänger; denn seine Freude an wahrer Kunst ist 
doch zu guterletzt die Veranlassung des Ganzen gewesen. Dreger 
ARIE ELLENRIEDER": VON KLARA SIEBERT. Im Rahmen der 
Sammlung von Frauenbildern, welche vorwiegend der Lebensschilderung katholi- 
scher Frauen gerecht werden soll, ist die Erinnerung an Marie Ellenrieder durch ein 
Lebensbild ihres Wirkens als Künstlerin und Frau neu belebt worden. Das handliche Buch 
ist mit n Bildern versehen, die Reproduktionen der schwer zugänglichen Arbeiten der 
Malerin bilden. Sie ist X19! geboren und gehört nach ihren Lebensanschauungen und 
ihrem künstlerischen Wirken ganz in den Kreis der Nazarener, unter deren Einiiuß 
viele ihrer Arbeiten entstanden. Wenn man von den Überschwenglichkeiten der Biographin 
absieht, die Frömmigkeit und Kunst, religiöse und künstlerische Absichten und Wirkungen 
vermengt, so bleibt doch auch bei kühlerer Betrachtung das Bild einer selteneren 
4' Herdersche Verlagshandlung Freiburg i. Br.
	        

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