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MAK

Full text : Monatszeitschrift XIX (1916 / Heft 11 und 12)

W31

sowohl halb- (d. i. floretb), als ganzseidene Bänder nach Schweizer Art auf

Mühlstühlen verfertigte, und nach vielen kostspieligen Versuchen auch die

Fabrication faconierter Bänder auf die Mühlstühle übertrug."

Leider erfahren wir nicht, wann diese Neuerung erfolgt ist; aus einer

früher gebrachten Nachricht haben wir gesehen, daß im Jahre x78: von

anderer Seite ein solcher Versuch gemacht worden ist und anscheinend

als etwas noch nicht Dagewesenes. Wir dürfen also wohl an einen späteren

Zeitpunkt denken."

Wir wollen nun noch einige andere Wiener Fabriken aus der bis jetzt

behandelten Zeit anführenjm

Wir haben bereits erwähnt, daß die Jahnersche Fabrik von Sanguin

im Verein mit einem gewissen Kienlein übernommen worden war. Leider

litten Sanguin und seine nunmehrige Frau, Känels Witwe, auch hier sehr

bald Schiffbruch. In einem Akte des Jahres 177g hören wir, daß Sanguin

und Kienlein vor kurzem zu handeln aufgehört nnd ihre Zahlungsunmöglichkeit

 angezeigt hätten?" -

So traurig die Sache für die Beteiligten war, so komisch lesen sich heute

die (bei Fräulein Pimmer in Wien) darüber erhaltenen alten Schriftstücke.

Sanguin fällt es nicht auf, daß Kienlein, im Augenblicke, wo er verspricht, Geld

in das Geschäft einzulegen, ihn „anpurnpt"; er ahnt nichts, als Kienlein auf

Reisen geht, angeblich um Geld zu holen, in Wirklichkeit aber um heimlich

Waren zu verkaufen und zu belehnen und so als großer Herr auftreten zu

können. Es liest sich fast wie ein Lustspiel mit den herkömmlichen Typen

ü Keeß fährt an jener Stelle fort:

„Sie (die Penzinger Fabrik) kann als die Mutter aller größeren und kleineren Etablissements dieser Art,

die nach der Hand entstanden sind, betrachtet werden, und behauptet rllcksichtlich der Qualität und des unverkürzten

 Ellenmaßes ihrer Erzeugnisse noch immer diesen vorzüglichen Rang. Überdies errichtete sie im

Jahre 1788 zur Erzeugung der Floretbänder eine Floretspinnerey, von welcher aus die öffentlichen Versorgungshäuser

 mit Arbeit verlegt, und im Ganzen zoo Menschen beschäftigt wurden. Sie zog jedoch im Jahre 1808 die

Spinnerey wieder ein, da der Spinnlohn im Lande zu hoch gegen das Ausland stieg, um die Concurrenz mit dem

fremden Floretgame halten zu können. Die gegenwärtigen Besitzer der Fabrik sind zugleich auch Interessenten

und Directoren der Pottendorfer Baumwollgarn-Spinnfabrik."

Nebenbei bemerkt ist die Pottendorfer Spinnerei die älteste Baumwollspinnerei Österreichs. Ihre Begründung

 fällt in die Jahre r8or und r8oz; zu Beginn des Jahres 1804 waren in ihr schon zwei große Faktoreien mit

Wasserkraft im Betriebe. Berger war bereits an der Gründung und ersten Ausgestaltung beteiligt.

Wenn Wurzbachs„Biographisches Lexikon" berichtet: Berger„wendete nun [das heißt nach dem Jahre r8o6,

wo er Chef des ererbten Großhandlungshauses geworden war] seine ganze Aufmerksamkeit der früher von seiner

Familie in Penzing begründeten Seidenbandfabrik zu, welche die erste in Österreich war und durch welche dieser

Industriezweig in Österreich eigentlich ins Leben gerufen wurde", so erscheint uns dies mindestens ungenau.

Wurzbnch berichtet in dern ihm eigenen Stile auch noch weiter: „Berger beschäftigt in seiner Fabrik

stets 8-9110 Arbeiter. Diesem Verdienste verdankte er im Jahre rBrg die Erhebung in den Adelstand."

"" Eine „Generaltabelle" im Archiv des k. k. Ministeriums des Innern (siehe Bujatti, a. a. 0., Seite 59H.)

gibt für das Jahr X772 die genaue Anzahl der Beschäftigten in allen mit der Seidenerzeugung zusammenhängenden

BetriebemVon „Schweizer-Band-Fabriken" sind genannt: Penzinger-Band-Fahrik, Karl Jahner inWien,Pozenhard

in Klosterneuhurg, Johann Lutz in Wien, Leopold Herbst in Wien, Friedrich Dörflinger in Wien, Bouvard und

Gaillard in Wien. Unter „Spitzen und verschiedenen Fabriken" finden wir x30 Posamentierer- und Bandmncberrneister

 (und Witwen). Auch wird hier die von uns bereits erwähnte Zeichnuugsakademie von Zeiß aufgezählt

(mit r Meister und 88 Schülern).

"f Es könnte nach dem Akte fast scheinen, als würde ihr- Unternehmen hauptsächlich als Seidenbandhandel

 aufgefaßt. Auch ist von der Absicht die Rede, zu untersuchen, ob sie die Seidenbiinder nicht durch

Schleichhandel bezogen hätten (6 ex Julio 77g).
            
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