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Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 12)

lassen sich auch bei einigen anderen Beispielen erkennen. De Feures kaleidoskopische 
Farbenspiele mit Flatterbändem oder sich lösenden und gleitenden Gestalten, Kurt 
Hermanns tupiige Blütenstimmungen, Elisabeth von Hahns Frühlingswiesen in 
spritziger Punktiermanier, sie alle entfalten ihre leuchtenden Lichtreize in der Bewegung. 
Auch Emil Orliks Entwürfe klingen in solcher unendlichen Melodie. Japanischen 
Omamentspielen sind sie verwandt und sie schimmern wie aus Gold- und Schmetterlings- 
blütenstaub zusammengeweht. 
Auffallend enttäuscht der Fächer des Worpsweders Heinrich Vogeler, der doch sonst 
in preziöser Anmut und delikatem Farbensinn so bestechend war. Sein Fächerblatt ist mit 
einer unruhigen, sich drängenden Komposition überladen, ein Waldstück mit Nymphe, 
Ritter und Märchengetier, die Farben sind scharf und unharmonisch und das Ensemble 
ist hart und ohne den weichen Charme, den man sonst bei diesem Künstler gewöhnt ist. 
Sehr gelungen erweist sich die Batiktechnik für die Behandlung der Seiden- 
bespannung. Das Künstlerpaar Fleischer-Wiemann, das jene javanische Kunstübung nach 
Deutschland verptlanzte, hat sie für Fächer glücklich verwertet. Auf rostroter indischer 
Seide erscheinen Papageien- und Pfauendekore, weich, in tieffarbigem Grunde liegend. 
Hohe Geschmacksqualität zeigt der Spitzenßcher. Die farbigen Spitzenkünste Felix 
Auberts sind hier von zauberhaftem Reiz. 
Vollendet erweisen sich auch die deutschen und die österreichischen Spitzenfächer 
des Wiener Vereins zur Hebung der Spitzenindustrie. Nicht nur die Qualität und die 
ornamentale Musterung allein zeichnet sie aus, sondern auch die Raumkomposition. Wie 
bei den gemalten und gestickten Blättern ist mit feinem, überlegendem Sinn das Spitzendekor 
aus den Dimensionen des Halbrunds entwickelt. Ein sicherer Takt erweist sich darin, 
daß bei den besten Stücken nicht die Gesamtiläche mit Stickerei ausgefüllt ist, sondern 
daß freie Flächen ausgespart sind - das Netzgespinst der goldgelben Guipure - und daß 
nur die Randlinien durch Spitzenbordüren betont werden, durch lebhaftes Rankenwerk 
von Rosen, Trauben und Ebereschen. 
Viel künstlerische Sorgfalt findet man den Gestellen zugewendet. Ein paar Stab- 
facher sieht man, der eine horngeschnitzt, in Silber montiert, mit Perlmutter und 
Chrysoprasen inkrustiert und einen Elfenbeinfächer, bemalt. 
Eine eigene Gattung bringt Ferdinand Morawe. Er belebt die althistorische Gattung 
des Stielfachers mit der Federkrone, den man von Tizians Bildern vor allem kennt. 
Morawe hat diese Elfenbeingriffe und das verbreiterte Feld, aus dem die Federn 
wachsen, in mancherlei Techniken behandelt. Er schnitzt ein Relief, Ritter und Nixe, durch 
matte Vergoldung erhöht, er füllt dieses Feld mit einem Gitterwerk von Schildpattstäben 
und bringt in seinem Rahmenwerk eine gestickte Vignette an. Seine Fächer sind 
interessante Zeichen alter, neu empfundener Stilwelten. 
Feine, künstlerische Genüsse bereitet die Ausstellung von Werken Wilhelm 
I-lammershois bei Schulte. 
Seine beseelte schwingende Kunst, die so verwandt den Stimmungen der dänischen 
Dichtung ist, Jens Peter Jacobsen und Hermann Bang, kann man mit einem Titel eines 
jener jungdänischen Bücher bezeichnen, mit Sven Langes Dramenaufschriü „Die stillen 
Stuben". 
Interieurs malt l-lammershoi, Räume mit dem Mobiliar von x83o bis 1850, mit den 
geschwungenen Mahagonisophas, dünnbeinigen Tischen, mit weißen Türen und weißen 
Stühlen mit durchbrochenen Stablehnen. 
In diesen Bildern ist aber mehr als bei anderen Amateuren des Vergangenheitsa 
stiles die Atmosphäre menschlichen Schicksals verdichtet. Es ist nicht nur die Pikantede 
des altmodischen Parfums, es weht hier die Lyrik einer verschwundenen Gefühlswelt und
	        

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