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Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 12)

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Ihnen verwandt sind auch jene Spielarten mit Seesternmotiven und den zart krepon- 
kräuseligen Blütenblättern, wie sie die Verästung der maritimen Zwergbäume zeigt. 
Und Farbensinfonien wogen. 
Die vollen Kelche werden von Übergangsfarben überlaufen, überflutet. In changie- 
renden Schein getaucht stehen sie da, mattrosa und safrangelber Hauch umschauert sie, 
ähnlich der Tönung zartester Wolkensäume in den frühen Morgendämmerungen. 
Stimmungen des Meerleuchtens voll Perlmutterglanz erscheinen; Purpurviolett, 
klingendes Kanariengelb, Rosalila schattet sich ab in delikaten Variationen; Edelstein- und 
Emailglanz kommt mit Granat- und Amaranttönen und, ein heraldisches Panier prangt die 
japanische Goldbrokatfahne, das rotgelb geilammte Chrysanthemum. 
So bewundernswert das Geschmackniveau des Materials, so niedrig und gering zu 
schätzen waren die dekorativen Versuche der künstlerischen Darbietung. 
Während wir sonst in Berlin jetzt eine Anzahl künstlerisch und geschmackvoll 
bestellter Blumenschaufenster haben, die mit Kupfergeiäßen, hübscher Keramik, japani- 
schen Körben Farbenstilleben komponieren und ihrem Material einen bestechenden Rahmen 
geben, Fiel in dieser Ausstellung das völlige Versagen einer entwickelteren Inszenierung auf. 
Sogar recht arge Gegenbeispiele mißbräuchlicher Atrappenausnützung von Blumen 
fehlten nicht, jene falschen Kunststückchen, aus Blumen eine Boa und einen Sonnenschirm, 
einen Bilderrahmen zu konstruieren, der Panoramenwitz, das Wandgemälde eines Schiffes 
mit darangesteckten Blüten zu einem Blumenboot zu frisieren. Überladung regierte. Jene 
edlen japanischen Körbe mit den schönen schlankgeführtenI-Ienkeln, die eine so bestrickende 
Silhouette haben, wurden vollgestopft und in ihrer Hguralen Linienführung völlig 
erdrückt von einem an sich kostbaren Stoff - Orchideenrispen traten als Bundesgenossen 
dazu -, der aber in dieser Anwendung vergewaltigt und entwertet wurde. 
Am angenehmsten präsentierte sich noch ein Schautisch mit Eliteexemplaren (Dr. von 
Martiuscher Kultur) in einfachen hohen Gläsern und jene ganz in Grün gebettete Fläche, 
aus deren Laub- und Blattgewoge wechselnd in Form und Farbe die Chrysanthemum- 
häupter tauchten, eine Märchen-Meerwiese. . . . Felix Poppenberg 
 
 
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USSTELLUNG KUNSTGEWERBLICHER HAUSINDUSTRIE 
UND VÜLKSKUNST. Seine k. und k. Hoheit der Herr Erzherzog Franz Ferdi- 
nand hat am 14. d. M. in Begleitung seiner Gemahlin Ihrer Durchlaucht der Frau Fürstin 
Sophie I-Iohenberg die Ausstellung besucht. 
Ihre k. u. k. Hoheit die Frau Erzherzogin Isabella besichtigte am m. und am 16. d. M. 
die Ausstellung. 
Am 8. d. M. erschienen korporativ die Leiter der österreichischen Gewerbeförderungs- 
anstalten in der Ausstellung. Sämtliche gewerblichen Fachschulen Wiens werden gruppen- 
weise demnächst die Ausstellung besuchen, ebenso die Mitglieder der Bildungsvereine und 
Lehrervereine. 
ESUCH DES MÜSEUMS. Die Sammlungen des Museums wurden im Monat 
November von 13.090, die Bibliothek von 2025 Personen besucht.
	        

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