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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 4)


daß es nur als Turnübung des Plastikers anzusehen ist. Darum ist

Idealismus dabei. Geglückt ist es dem Künstler mit seiner in Granit

gearbeiteten Gruppe „Muttersorgeä einem intimen, ans Madonnenhafte

streifenden Werk, das durch die Abwechslung zwischen bearbeiteten und

roh gehaltenen Teilen auch handwerklichen Reiz hat. Se. Majestät hat

diese Plastik schon früher erworben.

Auch unter den jüngeren Wiener Plastikern regt es sich. Unternehmungslust

 liegt schon darin, daß einige in Marmor arbeiten und

ihre Phantasien dem Reiz des schönen Materials vermählen. Ein Beispiel

 gibt josef Engelhart mit zwei trefflichen Frauenbüsten, in denen

der Realist den Stilismen der jüngsten Zeit nachgeht. Die Marmorbüste

seiner Gattin ist durchaus auf die einfachsten Formen zurückgeführt und

dennoch ähnlich. Die andere Büste, in gelber. polierter Bronze, mit

groß geringeltem Haar in schwärzlichem Packfong, auf grauer Granitstele

 als Sockel, schlägt einen reichen Farbenakkord an und hat zugleich,

 der Eigenart des Modells entsprechend, etwas Monumentales.

Alfred Hofmann, Franz Ehrenhöfer, Anton l-Ianak, Canciani, Richard

Tautenhayn, Josef Müllner erscheinen in Marmor, Bronze, Holz, was

ihnen sehr zu gute kommt. Müllner unternimmt unter anderem einen

Orpheus mit lauschenden Löwen in braunem Marmor,

macht reizende Tierstücke in gelbem Stein und Bronze,

allerdings auch einen „Sommernachtstraum" in Gips, als

kolossalen weiblichen Akt, der in I-lingegossenheit entschlummert

 ist, mit einem Panther als Kopfkissen. Es

ist darin jener erwähnte Drang, sich auszuturnen, wie

nicht minder in des jüngeren Ehrenhöfer „Christus mit

den Kindlein", der sich der kletterlustigen nackten

Kleinen nicht mehr erwehren kann. Solche Allotria sind

Aus der Sammlung

_ _ _ _ __ , , Heinrich v. Liebiegs

ja eigentlich nicht notig, da es sich doch um Erzeugung im Nord-böhmischen

einer Christus-Stimmung handelt, die selbstverständlich Ggwgybgmuggum in

nur eine heilige sein kann. Auch als Maler bringt Engel- Rßißhßlibvrei

hart Porträte; auch seine volkstümlichen Genretiguren schlüsuh m EM"

geschnitten und grasind

 es ja. So der famose bucklige Harfenspieler, der viemum mm

seinem geistigen und physischen Gegenfüßler, dem ganz

durchgeistigten Pater Wilibrord aus der Beuroner Abteischule, gegenüberhängt.

 Beide sind von derselben Hand. Dann das lebensgroße Ölbild Ludwig

Speidels, etwa zwei Monate vor seinem Tode gemalt, in einer einzigen

Sitzung, ein Gedenkblatt von literaturgeschichtlichem Werte. Zwei kraftvolle

 Porträte finden sich noch von Joh. Viktor Krämer; besonders nachdrücklich

 nach Form und Farbe das des Selrtionschefs von Sickel. Und Andri

hat vier hübsche Kinderporträte moderner Observanz geleistet, unter feiner

Beobachtung des minorennen Wesens, dabei leicht und luftig, dem Frühling

 vorausgeeilt. Weniger aus einem Guß sind die Saloneleganzen von

Heinrich Knirr, so geschickt er ist, und von dem Triestiner Adolf Levier.

Aus d": 5,8mm" Ins Figurenbild ist Rudolf Nißls Stilleben „Sankt Georg" einzureihen, weil

lunfigieeiglä; v" es so lebendig wirkt, obgleich nur Altsachen auf dem Bilde vorkommen. Es

Nordböhmischen ist eines der besten der Ausstellung. Hans Tichy („Im Frühling") läßt

Gewerbemuseum Mutter und Kind, eine gute Gruppe, von schemenhaften Engeln, die doch

i" Rächenb"? keine sind, adorieren. Bild und Stimmung wissen nicht, wo sie hinaus wollen.

Eissgügilesszelägiigen Königs „Jägerinnen" in herbstlicher Landschaft haben'eine leise Pikanterie

Y von Archaismus. Stöhr stellt nackte Figuren in Mondschein oder Sonnen-Deutsch,

 um _ _

1700 schein, letzteres mit echtem Reiz der Frische. Hermme Heller-Ostersetzer


            
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