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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 4)

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Porträte, haben hier Platz gefunden. Die ausgezeichnete Raumregie von Peter Behrens

machte die weiten Säle zu einer Komposition von Kojen und Kabinetten; geschickte Einbauten,

 Wand- und Nischenbildungen schaffen gesammelte Stimmungen. Die Wände sind

licht bespannt, an ihnen hängen in gewählter ökonomischer Verteilung die Bilder, meist

im Rahmen der Zeit. Und auf Längstafeln mit abgeschrägten Pultfiächen liegen besichtigungsbequem

 die ungerahmten Blätter unter Glas.

Eine ruhevolle, kunstreinliche Atmosphäre herrscht hier.

Ein stimmungsvolles Vorspiel gibt die altmodische Porträtgalerie der ersten Zimmer.

Berliner Bildnismalerei vor hundert Jahren zeigt sie, zumeist vereinigt mit Straßenszenen

und Architekturansichten des alten Berlin. Das fesselt alle, die den feinschmeckerischen

Sinn für Vergangenheiten haben, außerordentlich.

Liebliche Biedermeierstimmung ist in den Bildern der Männer und Frauen. Die

Männer tragen die kurztailligen Schlußröcke mit den faltigen, weitfallenden Glockenschößen,

 den engen, langen Ärmeln und dem hohen, weichgerollten Kragen, die bunten

blauen und grünen doppelreihigen Westen mit den breiten Klappen und das zweifach um

den Hals in kunstvoller Schleifung geknüpfte Tuch.

Die Mädchen blühen in Almanach-Empfindsamkeit: Freischütz-Brautjungfem, die den

Kranz mit veilchenblauer Seide winden. Und veilchenblau sind ihre Augen und meist auch

veilchenblau die luftigen Gewänder.

Franz Krüger ist der liebenswürdige Meister solcher Porträte.

Ein verwandtes Klima weht bei den Altwiener Bildnissen:

Alt malt die Zuckerbäckerin Luise Flach mit ihrer Tochter; geblümte Häubchen,

Spirallocken über den Ohren, Bindebänder, gepuffte Ärmel schmücken die Figurinen.

Peter Fendi hält im Bilde niedliche Jüngferchen fest, die ihre Blumentöpfe begießen oder

schmachtende Tüchlein sticken.

Die reizendste Bühne solcher Kulturbijoux ist dann das ovale Gemach, in dem

stimmung- und aromaschaEend zierlich spinnbeiniges Mobiliar, eine Sophabank und

Stühlchen mit Durchbruchlehnen stehen, passend zu der Miniaturwelt der Medaillenbildchen

 auf Elfenbein, die hier im Glaskästchen hängen. Auch hier blüht Altwien mit

Kriehubers und Waldmüllers Grazie.

Und feinschmeckerisch berühren die Bildchen von Wilhelm Böttner, dem Schüler

Tischbeins. Seine preziösen Reifrockschönen in Blaßblau mit den Gainsborough-Hüten

oder in duftigem Mull über einem rosa Unterkleid und der Florentiner Wippe sind die

Musen und Grazien jener Geschmackskunst, die heute Karl Walser, der Russe SomoFf und

die ihnen verwandten Stiltemperamente pflegen.

Ein Interieurvorbild für solche Art ist auch das Stübchen, das man hier von Karl

Blechen gemalt sieht.

In sanftem Himmelblau leuchten seine Wände, weißer Mull hängt vor den

Fenstern. Und Mahagonimöbel stehen darin; ein Schreibspind mit treppenförmigem

Aufsatz, ein ovaler Tisch mit blumengemalter Platte, zierlich gegitterte Stühlchen, ein

tafelförmiges Klavier - ein Ensemble wie für den dritten Akt von Hoffmanns Erzählungen.



Andere kulturelle Kuriositäten sieht man in den Schildereien Theodor Hosemanns,

des E. Th. A. Hoffmann-Illustrators. Er malt Altberliner Sonntagsvergnügungen, im Biergarten

 vor den Toren, wo die Familien Kaffee kochen.

Solche gemütliche Spießbürgerlichkeiten macht sehr lustig auch Johann Peter

Hasenclever lebendig. Ein malerischer Dickens ist er, deutsche Pickwickier, Kleinstädterei

 und Philisterium setzt er drastisch hin. Und voll humorhafter Charakteristik

sind diese Schachspieler, die Zeitungstiger in dem Lesekabinett, die politischen Kannegießer,

 die alle in ihren Temperamentsverschiedenheiten dargestellt werden: dünne

Choleriker, dicke stumpfsinnserstickte Phlegmatiker, schnauzbärtige Polterer, verbissene,

 grimassierende Nörgeler - eine Menschenmenagerie.
            
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