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MAK

Full text : Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 4)

aus Sonnenfäden gesponnen, am Quell gefunden ward. Da war das düster prangende

hohe Schloß am Meer, mit seinen mächtigen Toren, den hallenden Gängen, den weiten

Räumen, die sich in Dunkelheit verlieren und in denen ein scheues, zitterndes, lichthungriges

 Kind frierend sich bangt. Da war die Meeresklippe mit dem Blick ins Grenzenlose,

 wo aus dem drängenden übervollen Gefühl zweier junger Menschen eine Sehnsucht

sich löst, klagend, verschwebend wie ein Hauch in jene unermeßliche Ferne. Die Szenerien

 waren hier voll beseelten Wiederhalls und voll einer unendlichen Melodie.

Und Klimate anderer Art genoß man. Der Sommernachtstraum brachte ein Waldweben,

 das alle Motive der Shakespeare-Verse in klingende schimmernde Erscheinungen

verwandelte. Das Leben der Elementargeister in Busch und Strauch, über die Wiesen

hin und im Baumgcbüsch, voll Wispeln, Raunen, Flüstern, Huschen, Kichern ward gegenwärtig.

 Das waren keine Corps de Ballett-Elfen, das war wirklich ein luftiger, lustiger

Frühlingsspuk heiter beschwingter Geister. Flatterreigen durch das Dickicht der Stämme

hindurch, über den Rasenabhang und auf geblümten Wiesenplan. Durch diese Inszenierung,

durch dieses Waldinterieur mit seinen Lichtungen, Durchblicken, dem baumumstandenen

See, den Lichtern durch Zweiggerank und Blättergewirr, dem Zickzackrythmus des Reigen,

dem harmonischen Durcheinander ward der holde Zauber dieser Nacht zur lyrischen

Wirklichkeit.

Wieder eine andere Landschaftsstimmung trafen die Bilder zum Käthchen von Heilbronn.

 Hier kam es darauf an, in der Szene den Volkslied-, den Kinder- und Hausmärchenton

 zu treffen; die deutsche Landschaft, in der die herb-süße Innigkeit des Käthchens

herzenstief wurzelt, mußte erstehen. Schwindfsche und Thoma'sche Lieblichkeit mußte

belebt werden und auch das geschah.

Grüner, sprießender Rasen breitete sich zwischen bemoostem Gemäuer. Und in dem

grünenden Lager sah man den Grafen Wetter liegen, blank ehern im I-larnisch, über den

sich spielend die Wiesenblumen rankten. Das war nicht nur ein schönes malerisches Bild,

sondern es gab ungezwungen, mit ganz natürlichen Mitteln ein sichtbar lebendiges Symbol

der Gefühlswelt des Dramas, einer Mischung des Spröden und des Lieblichen. Und zu

Schwind und Thema kam ein Anklang an Dürer und Cranach, und das sind die Heimatswelten,

 in denen die lyrische Wahrheit des Kleisßschen Gedichtes wurzelt.

Eine szenische Symphonie über das Thema Venedig war die Reinhardtsche Aufführung

 des Kaufmanns. Es galt die bunte, wechselnde, verwinkelte Bühne der Intrigen,

Mummenschanze, Entführungen zu spiegeln. So ging ein Wandelpanorama kapriziöser

venezianischer Ausschnitte rundum. Schräg in die Szene geschobene Fassaden mit Fresken,

Mosaiken, vergitterten Balkonen; schmale Perspektiven, durch die hoch geschwungenen

Bogen zierlicher Brücken gesehen. Eine Szenerie voll Staccatorhytmus, stimmend zur

Unrast des Kommens, Gehens, Verschwindens, der Heimlichkeiten an den umschatteten

Ecken und dem umdunkelten Torbogen. Die Ahnungswirkung der Weite wurde suggestiv

benutzt, über die Brücken des Hintergrundes tollt Maskenzug, Fackelschein, Musik. Die

Luft ist voll Abenteuer und zum Balkon Jessicas klingt der Lockruf des Lebens. Diese

Szenen steigern sich beinahe an Phantastik, wenn man ihnen auf der Bühne unmittelbar

nah ist. Auf den Kreisschnitten der Drehbühne sind nebeneinander alle Stationen dieser

künstlichen Welt aufgebaut. Man blickt hier aus dem einen venezianischen Prospekt

wirklich in den andern hinein; geht Shylock in die Tür seines Hauses, so tritt er wirklich in

Jessicas Gemach. Auf dieser Rundscheibe schließt sich die Illusion zu einem vollkommenen

 Ring.

Und auch die Interieurs geben den Ausdruck und das Fluidum des Lebens und der

Existenz, die in ihnen sich regen. Das Zimmer in Shylocks Haus, abgeschlossen, fensterverhängt,

 voll der dumpfen Abgesperrtheit eines Harems, ist die Welt, aus der Jessica,

die lebenslüsteme, entfliehen wird, wenn es von draußen klingt und singt.

Und Porzias Gemach mit den goldenen edelsteininkrustierten Wänden, mit der Goldstiege,

 über die der farbige Chor der Dienerinnen, von Orlik in den Gewändern fein
            
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