MAK

Full text: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 3, 4 und 5)

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Stuckdecke der italienischen Kapelle in Prag 
Klassizismus volles Genügen. Der Haupteindruck bleibt weiß, das eingefügte 
Bild gehört zu den vornehmsten und kostbarsten Aufgaben der Malerei; Kreis- 
formen und Ovale sind da typisch. Auch an solchen Beispielen ist Österreich 
reich. Sie finden sich heute noch vorwiegend in den Kapellen, Palästen und 
Klosterbauten, während das alte Bürgerhaus schon fast verschwunden ist, das 
einst nicht minder eifrig den Stuckplafond pflegte. Der Bildhauer verdrängte 
den Maler, der Stuckarbeiter den Tischler. Rankenwerk und Putti, phantasie- 
volles Linienspiel nahmen von den Kehlen und Flächen Besitz, bis endlich 
wieder der Klassizismus die rechtwinkelige, kreis- und fächerförmige Linien- 
führung zur Geltung brachte, ohne an der Technik und dem Material zu 
ändern. Im schönen Schein verschwand das konstruktive Empfinden. 
Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen hier im Wandel der Zeiten 
zu verzeichnen. Während die eklektische Zeit des XIX. Jahrhunderts sich 
an den Stilstudien und an der Wiederaufnahme alter handwerklicher 
Verfahren bildete, war die Materialfrage stets ein schweres Hemmnis. 
Ein Teil der Schönheit alter Konstruktionen und Dekorationen entspringt 
(besonders beim Holze) dem Materialreichtum, dem bewußten absichtlichen 
Überschreiten der konstruktiven Mindestforderungen, das heute vermieden
	        

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