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sich ihre Spuren verfolgen. Keinen anderen Richter, keinen anderen Führer
wollten die Menschen gelten lassen als das lebendige Gefühl. Es rein zu
erhalten und vor der „alten Schwiegermutter Weisheit" zu behüten, war
ihre vornehmste Sorge. Mit einem magischen Flor umzogen sie die
Wirklichkeit, und als Ideal menschlicher Glückseligkeit schwebte ihnen das
unschuldige Lebensalter vor, wo das trunkene Herz, von süßen Ahnungen
befiügelt und mit heiteren Bildern erfüllt, in den Blütenhainen einer regellosen
Phantasie schwelgt, wo wir, jedem Eindruck in frohem Taumel
hingegeben, an Erfahrung Kinder, an Genuß Götter sind, wo selbst der
Kummer noch süß ist.
Diesem „Blüthenalter der Empfindung", wie es Sophie Brentano
genannt und entzückend beschrieben hat, wollte man Wirklichkeit und
Dauer geben, um so
zu einem reineren
Lebensgenuß, zum
„Tempel der Glückseligkeit"
zu gelangen.
Wie eine zarte
Blüte wurde die unentweihte
Empfindung
gehegt und
gepiiegt. Um ihrer
holden Stimme zu
lauschen, suchte man
die Einsamkeit des
A _ Landlebens auf, wo
Abb. x. Täte-a-tete mit Hammenden Herzen als Tassen, Berlin um r775 (im __
Teezimmer des Potsdamer Stadlschlosses) derstrom von Duften:
die die Luft durch-Fluten,
das unverdorbene Herz in holde Träume wiegt und der Morgengesang
der Lerche und das Abendlied der Nachtigall es in süße Entzückungen
taucht. Der liebenswürdige Graf Shaftesbury wurde der Philosoph dieser
rosenfarbenen Empfindsamkeit. In Klopstocks Oden, in Matthissons und
Salis' Naturschwärmereien erhielt sie ihre dichterische, in den Kompositionen
von Himmel ihre musikalische Prägung. Der eigentliche
Schauplatz ihrer Triumphe aber war das Märchenreich aller freundschaftlichen
und zärtlichen Beziehungen, die mit leichten Blumeuketten die
beiden Geschlechter verbinden. Nie sind die Frauen zarter geliebt worden.
Nie ist das Sichiinden suchender Seelen und das Liebesglück seliger Stunden
von reinerer, duftigerer Poesie umhaucht gewesen. Nie haben denn auch die
bildenden Künste einen innigeren und sinnigeren Ausdruck für alles, was die
Herzen bewegte, gefunden. Auf Rührung und Veredlung schien alles künstlerische
Schaffen eingestellt zu sein.
Die „empfindsame Tasse" ist ein besonders liebenswürdiges Beispiel
dieser der Deutung zarter Gefühle gewidmeten Kunst. Wie so viele andere