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Full text: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 9 und 10)

diese wichtige volkswirtschaftliche Angelegenheit hier nicht näher eingehen 
und wollen uns begnügen, eine kurze Übersicht über die Frage zu bieten, wie 
wir sie in einem Vortrage des, auf Stegner folgenden, Direktors Sorgenthal 
aus dem Jahre 1793 gefunden habenf" In einem geschichtlichen Rückblicke 
wird hier gesagt, daß die Fabrik im jahre 1754, „um sie nicht völlig aufliegend 
zu machen", vom Ärarium übernommen werden mußte und daß sie „durch 
das privilegium privativum geschützt . . . eine gewisse Festigkeit und 
Verbreitung in ihrer Manufaktur" erlangte, „welches [zugleich aber] zur 
Nachahmung besonders in Böhmen bei ordinairen Artikelnanei-ferte, und 
[daß] von der Fabrik auf ihr privilegium stützend viele Klagen darüber 
geführt wurden. . . . Der allerhöchste I-Iof, dem nur daran gelegen seyn 
konnte, die Wollenzeugmanufacfur allgemein im Lande einzuführen, achtete 
nicht den Vorteil der aerarialfabrik, sondern hobe A22 1764 das für die 
Fabrik so nutzbare privativum noch vor Erlöschung der bestimmten Zeit 
völlig auf, erklärte die Wollenzeug Manufaktur gänzlich frei, und zweifels- 
ohne ware die Beibehaltung der Fabrik für das aerarium nur aus diesen 
guten Grund geschehen, um der Wollenzeug Manufaktur sicher zu seyn 
und die Fabrik selbst dahin zu leiten, alle möglichen Handlungs Vortheile 
einzuführen, und nicht nach den vorhinigen Grundsätzen zu manipuliren, 
besonders da mit Aufhebung dieses privafivi zugleich die bis dorthin 
gestattete fremde Waaren Einfuhr nach Hungarn aufgehoben wurde. 
. . . Schwerlich dürfte ein Beispiel vorhanden seyn, wo in einer so 
kurzen Zeit nach den aufgehobenen Zwang sich ein Nahrungszweig so 
allgemein verbreitete; bis in das jahr 1770 entstanden die ansehnlichen 
Fabriken zu Neugedein, Mährisch Neustadt nebst noch vielen anderem" 
nur allein in Böhmen wurden über 800 Stühle in Arbeit gestellt, sogar 
in Hungarn entstanden selbe, und bestehen noch, in Oberösterreich Henge 
jeder Weber, der etliche hundert Gulden aufbringen konnte, auf eigene 
Hand zu arbeiten an, einige Weber zu Steyr, und Linz haben schon öfters 
einer 100 Stühle im Gange gehabt. . . . Eine natürliche Folge davon ware 
es, daß im allgemeinen der Staat durch Verbreitung dieser Manufaktur 
gewanne, hingegen die aerarial Fabrik verliehren mußte; wenn sie nicht 
nach anderen Grundsätzen betrieben würde . . ." ' 
Wir müssen hier allerdings gleich einfügen, was Sorgenthal selbst an 
anderer Stelle berichtet, "i" daß nämlich die meisten dieser in den „k. k. 
deutschen Staaten", besonders in Böhmen und Mähren neugegründeten 
Fabriken bald wieder zugrunde gingen, sei es aus Mangel an Kennt- 
nissen, sei es aus Mangel an Kapital, das nötig gewesen wäre, um die 
" Linz, vom n. juni 1793 (Nr. 6x9 vom Juli r7g3) an das k. k. Hofdirektorium. 
i" Über Ne ugedein siehe Nr. 460 vom Dezember 1777: Jakob Schmidt, Inhaber der Wollenzeugfabrik 
zu Neugedein, bittet um günstigere Abschlagsbedingungen für den rückständigen Rest von 6666 H. 40 kr. des 
Kommerzialvorschusses von 10.000 H. Nr. 303 vom März 1785: Jakob Matthäus Schmid als Inhaber der Neu- 
gedeiner Wollenzeugfabrik genannt. Nach Nr. 49g vom Februar 1786 wurde die Fabrik von den Schrnidschen 
Erben auf eigene Rechnung fortgeführt und lieferte einige vorzügliche Artikel. 
"i": Zu Nr. 46g vom Oktober r787 „Kurze Übersicht der Mährisch Neustädter Fabrik von ihrer Ent- 
stehung von 1768 bis ult. jullf r7;'7".
	        
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