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MAK

Full text : Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 11 und 12)

"H.

TRANSFORMIERTE DEUTSCHE PLAKET-TEN

 NACH VORLAGEN DES GIOVANNI DEI

BERNARDI AUS CASTEL BOLOGNESE St.

VON L. PLANISCIG-WIEN Sie

US einer Folge der vier Elemente besitzt das

Kaiser-Friedrich-Museum zu Berlin drei interessante

 Bleiplaketten, die von Vöge irn großen

Katalog als „Deutsch, XVI. Jahrhundert, zweite

Hälfte" bestimmt wurden?" Feuer, Luft und

Wasser sind durch liegende, nur spärlich bekleidete

 männliche Gestalten allegorisch dargestellt.

 Mit weit nach rechts gestreckten Beinen

sitzt ein Mann auf einer Rasenbank; er hat einen

Mantel über den Schultern und eine Kapuze auf

dem Kopfe und weist mit der linken Hand auf einen brennenden Holzstoß

hin: das Feuer (Abb. I). Ein nackter Mann, der dem Beschauer den Rücken

zuwendet, sitzt mit nach links ausgestrecktem rechtem Beine auf einer

Rasenbank, sein Antlitz im Kontrapost nach rechts gerichtet, in der

erhobenen linken Hand einen Stab mit einer Strahlensonne haltend, die

Schultern von einem schmalen Gewandstreifen umHattert: die Luft (Abb. 2).

Schließlich Neptun mit einem ähnlichen flatternden Schleier, den Dreizack

in der Rechten, auf dem Rücken eines Delphins reitend, der nach rechts

durch die Fluten schwimmt: das Wasser (Abb. 3). Das vierte Stück dieser

nur in den Exemplaren des Kaiser-Friedrich-Museums bekannten Plakettenfolge,

 die Erde, fehlt und ist meines Wissens auch anderswo nicht bekannt.

Die Behandlung dieser allegorischen Gestalten, die Ausführung des

Beiwerkes, Sichel und Reisigbündel beim Feuer, Baum mit herabhängenden

Moosen bei der Luft, Wellen" und Delphin beim Wasser, rechtfertigen

vollauf Vöges Bestimmung. Es handelt sich hier wirklich um deutsche

Plaketten der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts. Aber, wie ich im

Folgenden nachweisen will, liegt diesen Stücken eine Vorlage zugrunde,

die nach Italien hinweist. Mit anderen Worten, wir haben vor uns transformierte

 Reliefs, Kompositionen, die eine inhaltliche Wandlung durchgemacht

 haben, wobei sie das ursprüngliche Schema in den allgemeinen

Zügen beibehalten haben, inhaltlich aber etwas von Grund aus Neues

geworden sind.

Derartige Transformationen sind bei Plaketten nichts Seltenes. Ich will

aus dem Kreise der früheren Renaissanceplaketten Italiens nur ein Beispiel

hervorgreifen, das aber prägnant genug ist, um derartige Sujetwandlungen zu

illustrieren. Auf dem Revers der Medaille Fra Antonios da Brescia auf Nicolö



"' M. Vöge .,Die deutschen Bildwerke und die der anderen cisalpinen Länder", Berlin 19m. Nr. 806

(Höhe m35, Breite vom), Nr, 3117 (Höhe 0'061, Breite 0'091) und Nr. B0B (Höhe 0'115, Breite 0'085).

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