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MAK

Full text : Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 11 und 12)

schmückt haben und die man zumeist auf ei_nem Fuß von getriebenem"

Silber montierte. Besonders beliebt waren religiöse Vorwürfe und Szenen

aus dem Bergwerksleben. Die Wiener Handsteine stammen aus derAmbraser

Sammlung des Erzherzogs Ferdinand von Tirol und J. von Schlosser, der

einige derselben (a. a. 0., Seite 50 ff.) abgebildet und beschrieben hat, erklärt

sie für Tiroler Arbeiten. Das mag für einige derselben vielleicht zutreffen,

aber die Mehrzahl derselben stammt wohl sicher aus St. Joachimsthal, wie

aus dem Folgenden hervorgehen wird. Die Provenienz der Stücke aus Schloß

Ambras allein berechtigt uns übrigens zunächst noch keineswegs, ihre

Entstehung in Tirol anzunehmen, da ja Erzherzog Ferdinand früher Statthalter

 von Böhmen war, und zwar ungefähr zu derselben Zeit, in welcher

die Handsteine in Wien und Dresden nach ihren Datierungen geschaffen

wurden.

„Die schönste stufe, die ich mein tag gesehen, war ein glahsertz, von

etlichen marcken, darein man die aufferstehung des sons Gottes, mit seinem

Grab und Wechtern künstlich geschnitten hatte, Da gabs das gewechse,

dahs der leib des Herrn eben in weiß silber kam, Wechter und grab war

schwartz wie" bley." So berichtet Mathesius in der „Sarepta" (VI. Predigt

vom Silber, fol. LXIII v.)

Das Wiener I-Iofmuseum besitzt nun gerade einen I-Iandstein mit dieser

Darstellung der Auferstehung, die das ligierte Monogramm C V (Nagler,

Monogrammisten, II, 746) trägt. Dieselbe Signatur weisen aber auch noch

einige andere wie dieser auf einem Silberfuße stehende Handstein auf, die

sich gleichfalls zu Dresden und Wien befinden. Stilistisch hängen sie alle

miteinander eng zusammen. Nur ein einziger unter ihnen mit der Darstellung

der Caritas (Abb. 6) führt ein anderes Monogramm; es ist wiederum das

ligierte C W des Meisters Concz Welcz, genau wie auf der Weihnachtsmedaille.

 Der Fuß ist vierpassig aus vergoldetem Silber und mit punzierten

Ornamenten und ausgeschnittenem silbernen Blattwerk geziert. Auf dem als

Felswerk gebildeten Handstein, der mit Bäumen und Stauden bewachsen

ist, erhebt sich die am Fuße eines Baumstammes sitzende nackte Caritas

mit einem Kind in dem Arme, vor ihr ein gewelltes Schriftblatt mit der

Inschrift CHARITA, darunter das Monogramm. In den Zweigen des

Baumes erblicken wir eine gefesselte nackte jünglingsgestalt und eine

Raptusgruppe. Auf der I-Iinterseite steht ein geflügelter Amor. Somit ist ein

weiteres Werk des Concz Welcz festgestellt. Die übrigen, im Schnitt der

Figuren und der Silbermontierung diesem signierten Stück des Meisters

nahestehenden I-Iandsteine, die zum Teil das Monogramm C V (Nagler,

Monogrammisten, II, 746) tragen, aber auch teilweise ohne Bezeichnung

sind, müssen wir als Arbeiten eines zweiten, etwas späteren Meisters

ansehen, welcher gleichfalls in Joachimsthal lebte und zweifellos ein Schüler

des Concz Welcz war und dessen Monogramm er außerdem das seinige

nachgebildet hat. Auch seinen Namen verdanken wir der liebevollen Anteilnahme

 des Mathesius an dem gleichzeitigen Joachimsthaler Kunstgewerbe,
            
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