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Full text: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 11 und 12)

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franziszeischen Zeit lange Zeit unterschätzt worden. Wenn man heute ihren 
rasch verschwindenden Spuren folgt, ihre Ehrenrettung ins Werk setzt, 
so ist die inzwischen gestürzte, den Epigonen aus dem Gedächtnis ge- 
schwundene Baukunst „von Amts wegen" nicht gerade derAnziehungspunkt. 
Mit dem Chaos, das nach der Befreiung von amtlicher Bevormundung 
allmählich anwuchs und schließlich in eine ganz neue, strengere Bau- 
gesinnung ausmündete, der wir heute zustreben, ist uns eine genügende 
Distanz gegeben, die ein gerechtes Urteil ermöglicht. 
Auch wir fühlen wieder ein Bedürfnis nach Einfachheit und Strenge, 
nach Ordnung und Zielsicherheit und da liegt es wohl nahe, uns mit diesen 
 
Franzensbad, Franzensbrunnen, alter Zustand 
Qualitäten zu beschäftigen, die unsere .Vorfahren durch ein halbes Jahr- 
hundert hindurch festzuhalten vermochten. Auch ihnen ist dieses Bedürfnis 
durch ein maßloses und Willkürliches Überschreiten natürlicher Grenzen 
geweckt worden, dem sie energisch entgegentraten. Und wenn wir der 
immer ruhiger, immer bescheidener, wenn auch trockener werdenden Bau- 
gesinnung nachfühlen, so muß dabei der Umstand wohl berücksichtigt 
werden, daß jene Zeit für starke künstlerische Persönlichkeiten keinen 
besonders günstigen Boden bereitete. 
Es ist in diesen Blättern schon früher „der Kunst vor hundert Jahren" 
durch E. Leisching mit Wärme eine Lanze gebrochen worden. Auf allen 
Gebieten der Kunst und des Kunstgewerbes dieser Zeit wurden vom Autor 
Zusammenhänge aufgedeckt, Namen, Daten und Persönlichkeiten heraus- 
geholt, die der Vergessenheit rasch anheimgefallen sind. Einem Bau-
	        
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